Archive for März 2009

Muddy Waters

31. März 2009

muddyDie bewegendsten Momente in „The Last Waltz“ – dem bis heute besten Rockkonzertfilm aller Zeiten – sind die Sequenzen mit Neil Diamond… hahahaha, kleiner Scherz. Nein der bewegendste Moment für mich ist – natürlich neben dem Auftritt von Bob Dylan – der Beitrag von Muddy Waters.

Wie er unnachahmlich sein „Mannish boy“ singt, wie „The Band“ den immer gleichen Riff immer gleich kraftvoll treibend spielt, Gänsehaut pur.

Muddy Waters – * 4. April 1913 in Rolling Fork, Mississippi; † 30. April 1983 in Westmont, Illinois, eigentlich McKinley Morganfield – war einer der Väter des elektrifizierten Chicago Blues. Der Musik für die das Chess-Label stand und steht. Die Musik also, die auch bei Dylans neuem Album prägend sein soll.

Natürlich gibt es auch noch eine Dylan-Verbindung. Dylan adaptierte Waters’ Rollin’ and Tumblin’ für Modern Times. Neuer Text, aber Melodie und Rhythmus sind sowieso Bluesstandard.

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The Mississippi Sheiks

19. März 2009

Die Musik einer „obskuren“ schwarzen Tanzmusikgruppe aus dem Mississippi Delta, auf die ich zum ersten Mal durch Bob Dylan gestoßen wurde, fiel mir kürzlich wieder in Form einer CD in die Hände: The Mississippi Sheiks. Ich erwarb die CD, hörte, staunte und lernte: Was die Carter Family für die Hillbilly-Music und Old Time Music war, das waren vielleicht auf ihre eigene Weise die Mississippi Sheiks für die schwarze Musik der 30er Jahre. Sie waren Topstars ihrer Zeit in Mississippi und Texas und spielten in den Dance Halls alle Arten populärer Tanzmusik: Von Square Dance bis Blues. Sie waren bekannter, weil vielseitiger und lebenszugewandter als die musikalisch puristischen Blueshelden ihrer Zeit wie Robert Johnson oder Blind Willie Mctell. Und gewannen viele Fans auch unter den Weißen. Bob Dylan hat ihnen auf seinem Album „World Gone Wrong“ von 1993 ein Denkmal gesetzt, in dem er seinem Soloalbum nicht nur nach einem Song der Sheiks benannte, sondern auch zu ihrem Song „Blood In My Eyes“ eines seiner seltenen Musikvideos aufnahm. The Mississippi Sheiks haben 1001 Musikschatz hervorgebracht. Es lohnt sich, diese Schätze zu entdecken.   

Bob Dylan: Together through life

17. März 2009

ttlDas neue Album von Mr. Zimmerman steht ins Haus

 

Rechts angetäuscht und links vorbeigezogen. Monatelang schon diskutierte die Musikwelt im allgemeinen und die Dylan-Community im besonderen das Hank-Williams-Projekt des Mannes aus Minnesota – er sei dabei Texte aus dem Nachlass des Country-Übervaters mit Musikerkollegen zu vertonen –  da verhärteten und bestätigten sich schließlich die Gerüchte: Bob Dylan bringt Ende April sein neues Studio-Album heraus. Titel: „Together Trough Life“.

 

Dylan durchlebt wohl im Moment die fruchtbarste und arbeitsreichste Phase seines künstlerischen Wirkens seit den Mittsechzigern und Mittsiebzigern. Erinnern wir uns: 2001 „Love and theft“, 2002 die Chronicles, 2003 „Masked and Anonymous“, dazu die Never Ending Tour mit jährlich über 100 Konzerten, seit 2006 die „Theme Time Radio Hour“, im selben Jahr dann sein bisher letztes Studioalbum „Modern Times“. Dazu etliche Gastauftritte, Referenzprojekte und Filmkompositionen.

 

Und damit beginnt auch die Geschichte seiner neuen CD. Olivier Dahan, der Regisseur des Edith Piaf-Biopics „La Vie En Rose“ gewann Dylan dafür, einen Song zum Soundtrack seines neuen Werkes „My Own Love Song“ beizusteuern. Bei dieser Auftragsarbeit im vergangenen Herbst muss die Folk-Rock-Legende dermaßen von der Muse geküsst worden sein, dass er schnell entschlossen seine Tourband und ein paar Gastmusiker – u.a. David Hidalgo von Los Lobos – zusammentrommelte und – so hört man – zwischen 10 und 13 Songs aufnahm. Im Dezember wurde letzte Hand an die Bänder gelegt und Anfang des Jahres dann entschieden, das Ergebnis Ende April – während Dylans Europatournee – zu veröffentlichen.

 

Dylan und sein langer Arm Jeff Rosen verstehen es mittlerweile gekonnt sowohl mit den Medien, als auch mit den Erwartungen der Fans zu spielen. Geschickt nutzt man die Kanäle der internationalen Dylan-Gemeinschaft, um langsam, aber stetig, aus einer Chimäre etwas Reales zu machen. Die Information zu verknappen, in die richtigen Kanäle zu speisen und zu mystifizieren – das ist die Strategie von Dylans PR-Maschine.

 

Zuerst durften nur die Oberen von Sony Europe die fertigen Bänder hören, dann waren die Leitmedien der Popmusikwelt an der Reihe. Und seit in Amerika der Rolling Stone und in Großbritannien das Mojo-Magazin uns ihre ersten Höreindrücke miteilten, ahnen wir, was da auf uns zukommt. Die Titel heißen „I Feel A Change Coming On“, „My Wife’s Hometown“ oder „Beyond Here Lies Nothin“. Neigt man diesen ersten Hörern zu glauben, zeigt sich Mr. Dylan so kraftvoll, entspannt und doch voller Feuer wie schon lange nicht mehr. Zugleich dunkel, poetisch wie humorvoll sollen die Texte sein. Die Musik ist Country und Bluesrock mit Referenzen an Texas-Dancehall-Musik, Texmex und Chicago-Blues.

 

Bald wird man noch mehr über dieses Album erfahren. Es könnte ein weiterer Meilenstein der Dylan-Geschichte werden. Denn die ist auch nach Modern Times, Dylans größtem kommerziellen Erfolg seit vielen Jahren noch lange nicht zu Ende.

New York, New York

7. März 2009

Die Entscheidung ist gefallen: Wir fahren im Herbst wieder nach New York. Und tatsächlich stellt sich ein Gefühl des Nachhause-fahrens ein.

Natürlich Empire State Building, Chrysler-Center und Top of the Rocks, Central Park und Times Square. Aber vor allem eben auch Bob Dylan, Greenwich Village, Washington Square, Bitter End und Café Wha? Und die Erinnerung an einen schönen Abend mit Country Joe McDonald und seinem Woody-Guthrie-Programm. Und der Italiener aus „Micky Blue Eyes“.

Und dann die Gewissheit, dass wir diesmal noch viel mehr in die Club-Szene eintauchen wollen, endlich verstehen wollen, wie die Christopher Street verläuft und B.B.King’s ist auch gebucht. Und wer weiß, vielleicht spielen Levon und Larry ja dort… newyork-1-033