Archive for Mai 2009

Patti

3. Mai 2009

patti_smith_easterSie war immer da. Meine Beziehung zu ihr war nie so eng und so stetig wie die zu Dylan, ich habe sie schon auch mal aus den Augen verloren, weil ich sie auch nicht so nah kannte, aber sie gehörte immer dazu.

Von „Because the night“ und „Frederic“ sowie dem Musikpalast-Auftritt, der in den Zeitungen des heute den Rolling Stone und den Musikexpress verlegenden Springer-Verlags voller Unverständnis abgewertet wurde, über „Dream of Live“ mit „People have the power“ – meine Hymne der Jahre zwischen Niederschlagung der chinesischen Studentenrevolte und dem durch die Volksmassen auf den Straßen begünstigten DDR-Exitus – bis hin zu ihrem Comeback in den letzten Jahren, unterstützt durch ein Angebot von Bob Dylan, sie 1995 auf seiner „Paradise Lost“-Tour im Vorprogramm zu begleiten.

 „Dark Eyes“, das Duett der beiden im damaligen Konzertprogramm ist überirdisch schön, berührt mich ungemein und sorgt daher immer wieder bei mir für Tränen der Rührung.

Patti ist unkaputtbar, macht ihr Ding, Poesie, Malerie und Musik, ist Avantgarde und Pop und beides zugleich und nichts dergleichen. Patti behält das niemals eingelöste Verspechen des Rock’n’Roll für eine bessere Welt immer noch im Herzen. Patti fällt auch schon mal vom rezitieren ins agitieren.

Patti ist nicht schön, nie schön gewesen und kann daher in Würde altern, nur deswegen wird sie von den Medien für ernst genommen, wie wird es den Amy McDonalds dieser Welt in 20 Jahren gehen?

Patti kommt nach Deutschland im Juli und ich komme zum ersten Mal zu Patti. Doch da gewesen ist sie immer.

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Er muss nichts mehr beweisen

3. Mai 2009

Dylans neues Album Together Through Life – ausführlich von mir auf country.de besprochen – zeugt von großer Spielfreude, wirkt aber hier und da gleichsam wie ein noch unfertiger Entwurf und beweist dadurch aber auch die große Souveränität des alten Meisters.

Der Mann muss nichts mehr beweisen. Entgegen dem Boulevard-Gossip-Scheiß von spiegel-online „brauchte“ er keinen Co-Autor, sondern arbeitete aus freien Stücken mit Robert Hunter zusammen. Und warum „Jolene“ und „Shake, Mama, Shake“ bei Dylan „erschreckend schwache“ (Rolling Stone-Autor Maik Brüggemeier) Bluesschema-Fingerübungen sein sollen, während sie jedem anderen Künstler mit „authentisch“ und „vom schwarzen Blues durchdrungen“ – Gefasel abgenommen würden, hängt natürlich mit der einmaligen Stellung Dylans in der Popmusik zusammen.

Dylans neue Platte ist sicher weder textlich so komplex, musikalisch so dicht und konzeptionell so ausgearbeitet wie die drei Vorgängerplatten. Aber dennoch ist sie alles andere als trivial und eindimensional und schon gar nicht ist sie zu vergleichen mit Dylans B-Werken wie Knocked Out Loaded oder Self Portrait.

Together Through Life gibt genügend Stoff für alle Dylan-Freunde: Musik hören, über Texte Nachdenken, musikalische Querverweisen nachgehen. Eine Platte, die uns alle vielleicht mal wieder ein bisschen erdet nach all den Heiligsprechungen, Mystifizierungen und Auszeichnungen der letzten Jahre.

Wer in den 90er Jahren sich zu Dylan bekannte, dem wurde mitleidsvoll, manchmal auch geringschätzig begegnet. Dass Dylan momentan Everybodies Darling zu sein scheint und voraussichtlich wieder eine Platte als Nummer 1 in die Charts bringt, macht einem eher misstrauisch. Schließlich kennt man die Gesetze der Medien. Wir hoffen und wünschen, dass Dylan seine Souveränität beibehält. Es wäre gut für uns alle.