Archive for September 2010

Oxford & Tupelo

28. September 2010

Gerade in Nashville angekommen, ein Rueckblick auf Tupelo und Oxford. Den Elvis-Birthplace haben wir mehr aus Pflichtgefuehl angeschaut, zu wenig verbindet uns mit ihm. Interessanter war da Oxford. Bekannt wurde es auf unruehmliche Weise in den 60ern, als gewaltbereite Rassisten versuchten, einen schwarzen Studenten daran zu hindern, sein Studium an der Mississippi University aufzunehmen. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen, die erst durch die Entsendung von Bundestruppen beendet werden konnten. Der Student nahm das Studium auf. Neben dem Busboykott von Rosa L. Parks in Montgomery/Alabama sicher eine der bekanntesten Etappen auf dem Weg der Buergerrechtsbewegung in den 60ern.

Heute hat sich einiges geaendert im Sueden und aus Oxford ist ein kleines, schmuckes Universitaetsstaedtchen geworden. Mit einem tollen Buchladen am wunderschoenen Hauptplatz des Ortes. Mit zwei hochmodernen Sportarenen fuer Baseball und Football. Und natuerlich dem William Faulkner Haus. Oxford ist eine wunderschoene Entdeckung gewesen.

Tupelo rangiert auch immer noch ueber Meridian. hat einen netten Ortskern und den Fairpark Grill, der uns sehr erfreute.

Zu Nashville in den naechsten Tagen mehr.

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Meridian

25. September 2010

Howdie everybody! Wir sind in Meridian, der Heimatstadt des „Father of Country Music“. Nach doch recht anstrengendem Hinflug und einer Uebernachtung nahe New Orleans ging es am Freitag nach Natchez. Ein verschlafenes Suedstaatennest mit viel Antebellum-Flair. Schoen anzusehen sind die weissen Haeuser der Plantagenbesitzer, doch man sollte nicht vergessen, dass sie auch Ausdruck einer Sklavenhaltergesellschaft waren. In den Salons wurde hingegen politisch parliert. Treffend, dass viele Villen mit griechischen Saeulen geschmueckt wurden. Abends gab es Seafood satt und wir sind nun richtig im Urlaub angekommen.

Heute, Samstag, dann ging es nach Meridian. Ein wunderbarer Gang durchs Jimmie Rodgers Museum erwartete uns. Mit vielen Anekdoten und sichtlicher Freude am Thema fuehrte uns Greg durch die Ausstellung. Rodgers – „The Singin Brakeman“ – wurde 1927 bei einer grossen Audition der Plattenfima RCA unter vielen Hillbilly-Kuenstlern entdeckt. Seine Karriere dauerte nur sechs Jahre. 1933 starb er in New York an Tuberkulose.

Sein Verdienst ist die Verschmelzung von Hillbilly-Musik mit Blues, Jazz und Tin Pan Alley-Elementen. Er stiess damit eine Entwicklung an, die zur Country Music fuehrte. Allein das Museum und der Besuch seines Grabes waren die Reise wert. Meridian selbst ist eine Kleinstadt, die als Warenumschlagplatz an der Eisenbahn gross wurde und jetzt irgendwie sinnsuchend wirkt. Wir uebernachten und fahren weiter nach Tupelo.

Ruf des Südens

12. September 2010

Eine Musikrundreise am Mississippi

Lange haben wir den Traum schon gehegt. Dann dauerte es, bis wir wussten, dass wir uns trauen. Und dann noch einmal eine Weile, bis es umgesetzt werden konnte. Gut anderthalb Wochen noch, die beruflich noch randvoll sind, dann heben wir ab mit Delta Airlines.

Der Süden der USA ist eine gleichermaßen arme wie mythisch aufgeladene Region. Wiege von Blues, Jazz, Country und Rock’n’Roll. Aber auch Kern des „Bible Belt“, des tief religiösen Hinterlandes der USA. Armut und Rassenprobleme prägen auch heutzutage noch den Alltag. Dies ist genauso Fakt wie die gastfreundliche Art der Südstaatler. Dazu kommt die klassische Südstaatenküche mit Gumbo, Jambalaya und BBQ. Mit „Po’ Boy“, Catfish und Crawfish. Letztere Beiden wiederum geschädigt – sowie deren Fischer und Züchter – durch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko. Der Süden – das ist Scarlett O’Hara und Bürgerkrieg, aber auch William Faulkner, Mark Twain und die weißen Schaufelraddampfer des Mississippi, aber auch Hurricane „Katrina“, der New Orleans zerstörte oder die Sintflut, die im Frühjahr Nashville überspülte.

Ein spannender, widersprüchlicher Landstrich also. Wir gehen diesen Widersprüchen auf den Grund, legen aber unseren Schwerpunkt auf der Musik. Wir starten in New Orleans, fahren dann rauf nach Nashville und Memphis, um dann den Highway 61 entlang über Clarksdale, Vicksburg und dem Cajun Country wieder nach New Orleans zurück zu kehren.

Bob Dylan war für mich eine musikalische und persönliche Initialzündung. Dieser Typ und seine Musik hat mich vor fast 35 Jahren in seinen Bann gezogen, war unermesslich wichtig für meine Sozialisation und ist bis heute eine Konstante in meinem Leben geblieben. Richtig gelernt, seine Wurzeln einordnen zu können, und seine Bedeutung für die amerikanische Populärmusik wirklich werten zu können, habe ich aber eigentlich erst vor gut zehn Jahren. Der fantastische Film der Cohen-Brüder, „Oh Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odysee“, ließ mich die „Roots“ entdecken. Seine und die des Rock. Die ländliche Musik des armen schwarzen und weißen Amerikas lieferte den Urstoff für die Rockmusik. Diese Wurzeln werden heute von den Musikrichtungen Classic Country, Bluegrass, Alternative Country, den verschiedenen Spielarten des Blues, von Roots-Rock und Americana gepflegt. Das ist die Musik, die ich höre und weswegen wir in den Süden fahren.

Auf ihren Spuren wandeln wir in Meridian, Nashville, Memphis oder Clarksdale. Überall da, wo es um die Musik und die Menschen geht. Graceland sparen wir uns da lieber. Auf diesem Blog werde ich so regelmäßig wie möglich kurze Reiseberichte einstellen. Viel Spaß beim Lesen!