Günter Amendt, 1939 – 2011

Lange schon war ein neuer Blogeintrag überfällig. Doch dieser hier hätte es wirklich nicht sein sollen. Denn nach dem Tod von Suze Rotolo ist nun schon wieder jemand gegangen, für den Bob Dylan eine wichtige Rolle im Leben spielte und daher auch für mich bedeutend war.

Günter Amendt war mir natürlich durch das „Sexbuch“ ein Begriff. Aber fasziniert hatte er mich Mitte der 80er Jahre durch „Reunion Sundown“, sein Werk über Dylans Europatournee 1984. Zuerst lernte ich es in der Radiofassung kennen, ließ mich von Amendts sonoren wie auch gänzlich unhippen Stimme mit auf die Reise unseres Rock-Hobos nehmen.

Seine Ansichten waren pointiert und reflektiert, immer unterhaltsam, aber weit vom kurzweiligen Entertainment entfernt. Er setzte sich stets in aller Ernsthaftigkeit mit Dylan auseinander, war spröde und geistreich zugleich. Man spürte, dieser Bob Dylan hatte für Günter Amendt tatsächlich eine wichtige Bedeutung. Dass er drei Jahre früher tatsächlich so etwas wie ein Vertrauter Dylans bei dessen damaligen Europatour war, war da noch nicht bekannt.

Später dann, als ich mich mit Dylan in den Anfangsjahren der Never-Ending-Tour wieder verstärkt beschäftigte, da brachte er mich auf den neuesten Stand der Dylan-Forschung. Seine Bücher, seine Beiträge in „konkret“ waren immer lesenswert. Zweimal durfte ich ihn live erleben, 2005 bei einer Chronicles-Lesung in Ludwigshafen und 2006 beim Dylan-Kongress in Frankfurt.

Günter Amendt war eine deutsche Instanz in Sachen Dylan, ein Dylan-Pionier. Aber er war vor allem ein intelligenter, undogmatischer linker Denker, dessen Auseinandersetzung mit Drogenkonsum, Drogenpolitik und Drogenbusiness die quälend richtigen gesellschaftlichen Fragen jenseits der individuellen Kriminalisierung der Abhängigen stellte.

Auf die bittere Ironie seines Unfalltods, verursacht durch einen Autofahrer unter Drogeneinfluss, ist bereits vielerorts hingewiesen worden. Mit Günter Amendt ist ein Mensch gestorben, der mein Selbstverständnis als Freund der Musik und des kulturellen Wirkens von Bob Dylan erheblich beeinflusst hat und der daher über seinen Tod hinaus für mich immer eine besondere Bedeutung haben wird.

Mit ihm sind weitere drei Menschen getötet worden. Unser Mitgefühl ist bei den Hinterbliebenen.

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