Mehr als ein paar neue Bärte: The Decemberists

Neo-Folkbands sind schon seit einiger Zeit schwer im Kommen. Mit Bärten und ernsten Weisen verlangen uns Künstler wie „Iron & Wine“ oder „The Low Anthem“ einiges ab. An anderer Stelle auf diesem Blog habe ich schon beschrieben warum ich die „Felice Brothers“ oder Justin Townes Earle“ höher einschätze als die strebsamen Folk-Studenten. Auch hätte ich mir meine Favoriten als Partner bei Dylans Folk-Hommage im Rahmen der Grammy-Verleihung natürlich lieber gewünscht als die steifen britischen Mumford & Sons und die zu vertüftelten Avett Brothers.

Der Neo-Folk der von mir genannten Bands ist zu sehr auf dem Weg zum Kunstlied. Immer nur langsam, sehr oft sphärisch, mit viel Aufwand in Arrangement und Instrumentierung. Da lob ich mir die Instinktmusiker mit „street credibility“ wie eben die Felice Brothers oder Steve Earles Sohn. Packende Themen, nicht nur Nabelschau, Musik die mal langsam, mal schnell aber immer eingängig und –Achtung welch böses Wort! – unterhaltsam ist.

Also war ich auch bei den Decemberists erstmal skeptisch. „Wieder ein paar neue Bärte“, dachte ich und siehe da, der ungläubige Thomas wurde mit „The King Is Dead“ eines besseren belehrt. Der erste Song Don’t Carry I All“ groovt scheppernd und schleppend, der zweite Song Calamity Song rockt und der dritte, „Rise To Me“ erinnert musikalisch an Dylans Lay, Lady , Lay oder „Simple Twist Of Fate“ und so geht es auf dem Album munter weiter.

Die Truppe aus Portland, Oregon hat mir noch einmal die Hoffnung in den Neo-Folk zurückgegeben. Die Indie-Rocker unter britischem Folk-Einfluß sind einfach gute Musiker und haben hier das Americana – Folk, Country, Blues – vortrefflich für ihre Zwecke adaptiert. Hörenswert!

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Eine Antwort to “Mehr als ein paar neue Bärte: The Decemberists”

  1. X-Roads Says:

    Geb ich dir völlig recht. War letzten Herbst in London an einem Festival, das sich Campfire Trails nannte. Und prompt latschen die drei Mumfords bei der Old Crow Medicine Show als Special Guests auf die Bühne und stinken natürlich ebenso prompt ab. Da lob ich mir die Felice Brothers, die am Abend zuvor wirklich ein fantastisches Konzert geboten haben.

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