Retro und Spaß dabei!

Kitty, Daisy & Lewis begeistern in der Centralstation

Begeistertes Publikum, zufriedene Gesichter und überall gute Laune. Und das nur weil drei Geschwister Musik gemacht haben? Manchmal kann es eben so einfach sein, wenn es gut gemacht ist.

Kity, Daisy & Lewis schwimmen auf der Retro-Welle und dies gekonnt. Spielen Blues, Swing, Rockabilly und ein bisschen Country und nehmen dies mit altem, analogem Equipment auf. Wären sie Amerikaner, so hieße ihre Musik „Americana“ und wäre sicher hierzulande schwer zu vermarkten. Da sie aber Engländer sind und ihre Eltern feste Größen im britischen Musikbusiness sind, segelt das Ganze eben auf der „Retro-Welle“ und wird bei den jungen Leuten als „hip“ eingestuft.

Spielen Ryan Bingham oder Holly Williams dann sind die Sääle kleiner, das Publikum gemischt, mit dem Schwerpunkt von 35-50 Jahren. In der Centralstation war es deutlich jünger. Eindeutiges Indiz dafür, dass die Band bei den Kids angesagt ist.

Den Auftakt machte wieder mal ein Phänomen, dass eigentlich kaum noch auszuhalten ist. Eine Vorgruppe, die irgendwo im Bereich Soft-Gothic-Pop einzuordnen ist und die eigentlich keiner sehen will, nimmt uns in künstlerische Geiselhaft. Dann folgt eine (zu) lange Umbaupause. Und danach dauert es – kein Wunder – doch einige Titel bis Künstler und Publikum auf Betriebstemperatur sind. Ausgerechnet als wir uns über den Trompeter aus Jamaica und die scheinbar unerwartete Wendung des Konzertes wundern, kommen die Schwestern und der Bruder richtig in Fahrt. und bald haben sie den Saal im Griff.

Wenn Lewis unnachahmlich altertümlich die große E-Gitarre spielt, als wäre er gerade in den Sun Studios in Memphis/Tennessee, Kitty ein schier endloses, wahnwitziges Mundharmonika-Solo bläst und Daisy anmutig und beschwingt die Snare Drum spielt, beginnt das Publikum schier in Ekstase zu fallen. Dann wird ausgelassen getanzt und vor Entzückung gejuchzt. Immer wieder wechseln die Drei die Instrumente, Lewis geht an die Drums, Daisy an das E-Piano und Kitty wechselt zum Banjo. Alles geht hin und her. Sie spielen alle ihre bekannten Titel und gehen nach 5 Songs als Zugabe unter großem Jubel ab.

Der Americana-Freund ist zufrieden, diese Musik bekommt man hierzulande nicht oft geboten. Stellt sich nur die Frage: Warum hat keiner den Mut mal ein Konzert-Package zusammenzustellen, das musikalische Traditionslinien berücksichtigt. Wenn Kitty, Daisy & Lewis bei den Kids funktionieren, dann doch bestimmt auch das Western-Swing-Trio Shotgun Party oder die Bluegrass-Jazzer von The Toy Hearts. Doch schnell ist die Antwort parat. Dem Musikbusiness geht es nicht um das bewusste Musik hören. Daher weiß man auch nicht wie lange die Geschwister aus Kent dieser Musik treu bleiben können. Spielen und fühlen können sie sie auf alle Fälle. Prädikat: Outstanding!

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