Mary Gauthier

Das erste Mal hörte ich sie in Bob Dylans „Theme Time Radio Hour“. In der Episode „Drinking“ kam sinnigerweise ihr bekanntester Song „I drink“ zum Einsatz. Wie viele Ihrer Songs, und wie ihr gesamtes letztes Album, trägt das Lied autobiographische Züge. Die 1962 geborene bekennt bis 1990 eine harte Trinkerin gewesen zu sein. Zweites autobiographisches Thema ihrer Songs: Die Auseinandersetzung mit der in weiten Teilen der USA immer noch verpönten Homosexualität. Gauthier ist lesbisch, bekennt sich dazu und gibt an, dass es in Nashville viele Country-Sänger gebe, die ihre Homosexualität verschweigen. Drittes Thema ihrer Songs ist die Liebe zum Landstrich und zu den Menschen des amerikanischen Südens. Geboren in Thibodeaux/ Louisiana spielt sich ihr künstlerisches Leben zwischen New Orleans, Nashville und Austin ab.

Nachdem sie ihre Jugendjahre, die von Sucht, Gewalt und Verwahrlosung geprägt waren hinter sich gelassen hatte, lernte sie die – was für eine Geschichte! – hohe Kochkunst und eröffnete in Boston das Restaurant „Dixie Kitchen“. Erst mit 34 Jahren macht Sie die Musik zu ihrer Profession, verkauft ihr Restaurant, benennt ihre erste Platte nach ihm und ist seitdem aus der Americana-Szene nicht mehr wegzudenken.

Marys Stärke sind die poetischen Texte. Mal bildreich und weit ausholend, mal eng und konkret – das merkt man den Einfluss ihrer Vorbilder Woody Guthrie, Hank Williams und Bob Dylan. Dabei verströmen die Songs stets eine ernsthafte Wärme, sind oftmals eher langsame Nummern, ohne aber quälend langwierig zu wirken. Dafür sorgen ihre Lyrik und ihre Gefühl für Timing und den richtigen Spannungsbogen in einem Song.

Mary Gauthier (sprich Go-shay) ist eine der bemerkenswertesten amerikanischen Sängerinnen. Bleibt zu wünschen, Sie hierzulande einmal live zu erleben zu können.

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