Archive for Januar 2012

Sie haben es wieder getan!

11. Januar 2012

Photo credits: Die DoubleDylans

Die DoubleDylans legen ein famoses neues Album vor

Sie sind die wahrscheinlich originellste deutsche Dylan-Coverband. Die drei DoubleDylans aus Frankfurt. Nun haben Robert Noetzel, Matthias Schmidt und Uli Klapdor ihre fünfte CD veröffentlicht. Und sie ist einfach nur gut.

„Bluesbrüder“ ist der Titel des Silberlings und wieder wandeln sie auf Dylans Spuren, lehnen ihren Frankfurter Mikrokosmos an das Universum des Meisters an. Herausgekommen sind 11 Songs voller Originalität, Wortwitz und Tiefgang. Dazu musikalisch perfekt umgesetzt. Gute Musik rund um Bob Dylan und den „Big Ebbel“.

Los geht’s mit einem feinen Blues-Rock. „Im Namen des Herrn“ ist quasi programmatisch und spielt voller lässigem Wortwitz mit der eigenen Dylan-Verehrung. Dann geht es gleich in Medias Res. „Taunus“ heißt hier das Hochland, das die DoubleDylans ebenso majestätisch wie selbstzweiflerisch durchschreiten. Dann wird es wider rasant. Der „Dreck Weg Blues“ nimmt schnell Fahrt auf, während „Sauer“ die globalen, lokalen und privaten Krisen und Katastrophen“ aufgreift und im Blues-Lamento ertränkt.

Ein ganz anderes Lied ist dagegen „Der Blinde Wilhelm Tell“. Wo „Sauer“ derb und zupackend ist, agiert „Wilhelm Tell“ mit feinem Florett und genauem Blick. Am Ende kommt nichts anderes als ein Kaleidoskop und damit eine genaue Bestandsaufnahme Deutschlands im Jahre 2012 heraus. Ein Bravourstück! „Der Main in Mir“ ist dann wieder eine lässige und entspannte Meditation über Mann und Frau. Dann kommt mit „jedes Mal, wenn ich huste“ ein ironischer Seitenhieb auf das Rauchen und mit „Leg ab den alten Hut“ eine Miniatur über das Alt werden. „Freitag bis Montagmorgen“ ist dagegen ein vitales Bekenntnis zum Leben und „Lola Montez“ ein Partyknaller und eine klare Ansage für angebrochene Abende. Als Kontrapunkt beendet das sehr persönliche „Helmut Kult“ die Platte.

Neben den drei altbekannten Recken an Gitarren, Bass, Madoline und Violine sorgen die Gäste Matthias Baumgardt (Gitarre), Krishna Meindl (Drums) sowie Lyle Närvänen (Gitarre, Dobro) für satte, süffige Musik, die einen nicht unberührt lässt.

Fazit: Die DoubleDylans werden immer besser. Eine Platte, die in keinem guten Haushalt fehlen darf. Chapeau!

Die Platte ist direkt bei den Künstlern unter der E-Mail-Adresse diedoubledylans@web.de erhältlich. Weitere Infos zu den DoubleDylans unter http://www.devilishdoubledylans.com und auf dem Facebook-Auftritt der Band.

Advertisements

Kitty Wells

7. Januar 2012

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen, die mir schon länger durch den Kopf ging. Es geht um eine Frau, die eine Pionierin war.

Vor 50 Jahren, im Juni 1952, wurde von Kitty Wells der Song „It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels” veröffentlicht und wurde ein Riesenerfolg. Er war für Kitty und für die Frauen in der Countrymusik der Durchbruch. Kitty bereitete den Weg für Frauen wie Loretta Lynn, Patsy Cline, Dolly Parton oder Emmylou Harris, die als selbstbewusste Frauen agierten und nicht wie hübsch gestylte Cowgirl-Püppchen, die leider heutzutage zum Mainstream-Country gehören. Noch wenige Jahre vorher musste Kitty aufstecken, weil man(n) die Nachfrage nach weiblichen Countrysängern als gering einschätzte.

Kittys Song war die Antwort auf „The Wild Life“ von Hank Thompson. Weinerlich klagt er da seine Kneipenbekanntschaft an, ihm das Herz gebrochen zu haben und statt seine Frau werden zu wollen, lieber weiter dort verkehre, wo der Alkohol in Strömen fließe und sie jedermanns Schatz sei. Und unausgesprochen: Da hat eine anständige Frau nichts verloren.

Tja, rückständiger kann es nicht sein, das Frauenbild. Und Kitty gibt ihm in ihrem Song zu verstehen: Nö Jungs, die verheirateten Männer sind es, die sich aufführen, als wären sie Singles und gute Frauen auf den falschen Weg locken. Feste drauf auf die Chauvis! Und es lag doch in der Luft. Schließlich hatte sich die Frauenrolle bereits im nur wenige Jahre zurückliegenden Krieg die Frauenrolle auch in den USA zu wandeln begonnen. Die Zeit war also reif für die erste Frau mit einem Nr. 1-Hit in den Country-Charts.

Kitty wurde zur „Queen of Country Music“ und war bis ins hohe Alter aktiv. Nun ist sie 92, im September letzten Jahres ist ihr Ehemann Johnny Wright (bekannt vom Country-Duo Johnny & Jack) im Alter von 97 Jahren gestorben. Unsere guten Wünsche gehen zu Ihr nach Tennessee.

Und natürlich gibt es auch einen Link zu Bob Dylan. Kitty war eine der ersten, die „Forever Young“ 1974 coverte. Die wunderschöne Version ist der Titeltrack eines echten Crossover-Albums, auf dem die Country-Queen Blues- und Rocksongs in beeindruckender Weise interpretiert. Leider ist die CD heute nur noch zu hohen Sammlerpreisen erhältlich. Dylan wiederum spielte einige Jahre in seinen Konzerten drei Songs von Johnny & Jack. Neben “This World Can’t Stand Long“ und „Humming Bird“ auch „Searching Für A Soldier’s Grave“, den auch Kitty stets im Repertoire hatte.

Wir hören „Honky Tonk Angels“ und Kittys Version von „Forever Young“: