Kitty Wells

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen, die mir schon länger durch den Kopf ging. Es geht um eine Frau, die eine Pionierin war.

Vor 50 Jahren, im Juni 1952, wurde von Kitty Wells der Song „It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels” veröffentlicht und wurde ein Riesenerfolg. Er war für Kitty und für die Frauen in der Countrymusik der Durchbruch. Kitty bereitete den Weg für Frauen wie Loretta Lynn, Patsy Cline, Dolly Parton oder Emmylou Harris, die als selbstbewusste Frauen agierten und nicht wie hübsch gestylte Cowgirl-Püppchen, die leider heutzutage zum Mainstream-Country gehören. Noch wenige Jahre vorher musste Kitty aufstecken, weil man(n) die Nachfrage nach weiblichen Countrysängern als gering einschätzte.

Kittys Song war die Antwort auf „The Wild Life“ von Hank Thompson. Weinerlich klagt er da seine Kneipenbekanntschaft an, ihm das Herz gebrochen zu haben und statt seine Frau werden zu wollen, lieber weiter dort verkehre, wo der Alkohol in Strömen fließe und sie jedermanns Schatz sei. Und unausgesprochen: Da hat eine anständige Frau nichts verloren.

Tja, rückständiger kann es nicht sein, das Frauenbild. Und Kitty gibt ihm in ihrem Song zu verstehen: Nö Jungs, die verheirateten Männer sind es, die sich aufführen, als wären sie Singles und gute Frauen auf den falschen Weg locken. Feste drauf auf die Chauvis! Und es lag doch in der Luft. Schließlich hatte sich die Frauenrolle bereits im nur wenige Jahre zurückliegenden Krieg die Frauenrolle auch in den USA zu wandeln begonnen. Die Zeit war also reif für die erste Frau mit einem Nr. 1-Hit in den Country-Charts.

Kitty wurde zur „Queen of Country Music“ und war bis ins hohe Alter aktiv. Nun ist sie 92, im September letzten Jahres ist ihr Ehemann Johnny Wright (bekannt vom Country-Duo Johnny & Jack) im Alter von 97 Jahren gestorben. Unsere guten Wünsche gehen zu Ihr nach Tennessee.

Und natürlich gibt es auch einen Link zu Bob Dylan. Kitty war eine der ersten, die „Forever Young“ 1974 coverte. Die wunderschöne Version ist der Titeltrack eines echten Crossover-Albums, auf dem die Country-Queen Blues- und Rocksongs in beeindruckender Weise interpretiert. Leider ist die CD heute nur noch zu hohen Sammlerpreisen erhältlich. Dylan wiederum spielte einige Jahre in seinen Konzerten drei Songs von Johnny & Jack. Neben “This World Can’t Stand Long“ und „Humming Bird“ auch „Searching Für A Soldier’s Grave“, den auch Kitty stets im Repertoire hatte.

Wir hören „Honky Tonk Angels“ und Kittys Version von „Forever Young“:

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