In Memoriam Andy Griffith

 Andy Griffith ist tot. Andy Griffith… war das nicht Matlock? In der Tat , die 80er-Jahre Gerichtsserie um den listigen Anwalt aus den Südstaaten war Kult. Wegen der pfiffigen Auflösungen, wegen der hübschen Tochter, wegen den verschiedenen, aber immer schwarzen Helfern des Advokaten. Aber vor allem natürlich wegen des ewig gleichen hellen Sommeranzugs, den Matlock trug. Er musste unzählige dieser Modelle im Schrank haben, folgte aber in diesem Setting anderen klassischen Serienbeispielen. Die Cartwrights wechselten schließlich auch nie ihr Outfit.

Aber dieser Andy Griffith hatte ja auch noch ein Leben vor Matlock und das war aufs engste mit der Musik und der Kultur des Südens verbunden. Griffith war ein recht guter Countrysänger und war für Elia Kazan daher wohl auch die bestmögliche Besetzung seines „Lonesome Rhodes“ im Film „A Face In The Crowd“. Griffith spielte hier einen verschlagenen Countrysänger, der zum politischen Radioprediger voller Doppelmoral wird. Die Figur des Lonesome Rhodes war dann auch ein Vorbild für Tim Robbins‘ „Bob Roberts“ (1992).

Und Lonesome Rhodes und Robert Mitchums verschlagener Wanderprediger aus „Die Nacht des Jägers“ beschäftigen auch Bob Dylan bis heute. Sie es in „Highway 61“ oder „Man Of Peace“ („could be the fuhrer, could be the local priest“) oder „Man In The Long Black Coat“. Die Figur des verlogenen und gefährlichen Predigers ist ein amerikanischer Archetypus. Kein Wunder für das Land mit dem „Bible Belt“, dessen Gesellschaft und Alltag weitaus mehr durch die Religion bestimmt werden, als in anderen westlichen entwickelten Ländern.

Und Andy Griffith war über Jahre der Star der Andy Griffith-Show. Sie spielte in einem fiktiven Südstaaten-Nest und hatte eine freundliche, harmlose Komik. Ein Fels in der Brandung der Veränderungen in den Sixties. Wobei die sogenannten Hinterwäldler sich nicht gegen gute Musik sperrten. Einen guten Beatles-Song als Bluegrass-Stück zu adaptieren (wie in der „Lost Episode“) zeigt doch auf, dass der Horizont von Griffith bei weitem nicht so eng war, wie der von vielen seiner Zuschauer.

So ist mit Griffith nicht nur „Matlock“ gestorben, sondern vor allem ein Bindeglied zu Kultur und Alltagsbewusstsein des alten Südens. Im Guten wie im Schlechten. Rest in Peace!

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