Ein Sturm naht

Bob Dylans noch nicht veröffentlichtes neues Album wird bereits heftig diskutiert

Ist es nun ein Meisterwerk oder nicht? Bevor überhaupt das neue Dylan-Album „Tempest“ auf dem Markt ist, wird in einschlägigen Kreisen bereits diskutiert, welchen Stellenwert es in Bobs Riesen-Werk hat. Lassen wir das viel zu frühe taxieren und den Hype, den viele  entfachen und dessen Urheber Dylan selbst und sein geschicktes Management sind – echte PR-Profis eben!  –  einfach mal außer Acht und wenden uns den Fakten zu.

Die beste, weil informativste Vorschau auf die Scheibe brachte das Branchenblatt „Billboard“. Sie war genauso das Ergebnis nur einer Audition.  Aber das  Magazin ging eben weniger aufgeregt als andere Gazetten hier Song für Song durch. Und tatsächlich scheint es musikalisch anders zu zugehen als auf der letzten Platte „Together Through Life“.

Lange, textorientierte Neo-Folkstücke sind es diesmal geworden.  Vergleichbar jüngeren Dylan-Werken wie beispielsweise „Nettie Moore“, „ Girl From The Red River Shore“ oder „Cross The Green Mountain“.  Das uns Dylan dann ausgerechnet den Titel  – „Early Roman Kings“ – als ersten Vorgeschmack liefert, der TTL am ähnlichsten ist, und noch dazu ganz unverhohlen eines der berühmtesten Bluesriffs überhaupt (jawohl das aus „Mannish Boy“ von Muddy Waters) zitiert, ist mal wieder typisch. Immer gerne täuschen und uns eine lange Nase machen.  Dass dieser Song dann ausgerechnet im Trailer einer simplen Kriegsfilmserie auftaucht, ist schon wieder richtig böse vom alten Bob. In diesem Umfeld wird auch der zweite Song vorveröffentlicht.  „Scarlet Town“ wird dann ab 17. August zu hören sein.

Die Themen der neuen Songs sind Vergänglichkeit und Tod, Liebe und Glück. Wie immer bei Dylan: Das Leben in all seinen Facetten. Philosophisch allgemein und menschlich konkret, religiös und subversiv zugleich. Die Titel heißen „Tempest“, „Roll On, John“ (über John Lennon), “ Duquesne Whistle“ oder eben „Pay In Blood“. In einem ersten Interview zur Platte sagte Dylan dem Rolling Stone-Schreiber Mikal Gilmore, das er eigentlich vorhatte einige religiöse Songs zu schreiben, er hätte nicht genug davon. Am Ende sei aber dieses Album rausgekommen. Mann, Mann, Mann – „a cool cat“, dieser alte „Trickster“ Dylan. Weiß genau wie er mit den Erwartungen seiner Fans zu spielen hat.

Dies soll es im Moment gewesen sein von der „Tempest“-Front. Freuen wir uns ganz einfach weiter auf das neue Werk des großen Songpoeten und Musikers und lassen das voreilige spekulieren. Irgendwann gibt es ja möglicherweise einen  ersten Song zum Download, dann tauchen Texte auf – „Early Roman Kings“ wird ja bereits als Dylans Beitrag zu „Occupy Wall Street“ gewertet – und dann kommen die ersten detaillierten Besprechungen.  „Schaun‘ mer mal“, dass der Schreiber dieser Zeilen dann auch was Schlaues über Dylans 35. Studioalbum zu sagen hat.

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