Bombay Beach

Bombay_Beach-544882338-mainAmerikanische Verlierer am See

Bombay Beach ist eine der bemerkenswertesten Dokumentationen, die ich zuletzt gesehen habe. Die Auseinandersetzung mit dem „White Trash“, den Verlierern des wildgewordenen amerikanischen Neoliberalismus finden zuletzt ja immer häufiger Einzug in Literatur, Reportage oder Film. Man denke nur an die Woodrell-Verfilmung von Winter’s Bone oder die Pulphead-Reportagen von John Jeremiah Sullivan. Aber dieser Film ist etwas Ungewöhnliches.

Bombay Beach, der Ort am Saltonsee in Südkalifornien, war einstmals ein Prestigeobjekt für Wohlsituierte. Heute wohnen hier am umgekippten See die Gestrandeten, die Verlierer Amerikas. Die Parishs mit ihrem Sohn Bennie, der wegen ADHS mit Medikamenten vollgestopft wird und von dem zu befürchten ist, dass er in dieser Welt nichts erreichen wird. So wie sein Vater und seine Mutter, die eine zeitlang wegen verbotener Militärspiele als Beinahe-Terroristen aus dem Verkehr gezogen worden sind.

Red, der alte Hobo, hat den Großteil seines Lebens schon hinter sich, begeistert aber inmitten der trostlosen Siedlung mit seinem lakonischen Charme die Frauenwelt ab Sechzig. Ein Sympathieträger des Films. Um so entäuschender, als er sich als Rassist outet.

Die einzige Person, die Hoffnung verströmt, ist der schwarze CeeJay. Er versucht der Ödnis zu entfliehen. Mittels Football und Schulbildung versucht er seine Chance zu ergreifen, und mit seiner Freundin ein besseres Leben zu finden.

Regisseurin Alma Har’el, die aus der Welt der Video- und Werbeclips kommt, hat die Protagonisten begleitet und nur sanft ins Geschehen eingegriffen, alleine die Tanzszenen scheinen sorgsam inszeniert. Aufgrund der Zusammenarbeit in anderen Projekten mit Bob-Sohn und Regisseurskollegen Jesse Dylan sowie mit Bob Dylans Manager Jeff Rosen gelang es ihr, einige Bob Dylan-Songs für den Soundtrack benutzen zu dürfen. Denn  „Series Of Dreams“, ein mysteriöser Song und  Outtake von Dylans „Oh Mercy“, begleitete Sie nach ihrer Aussage durch den Dreh. So war es logisch, dass die Musik von Dylan und der ihr nahe stehenden Band Beirut die Szenen musikalisch unterlegen.

Bombay Beach ist ein ungewöhnlicher Film. Zu erst eine Art Sozialreportage ohne wertenden Kommentar. Alleine die Protagonisten kommen zu Wort. Dann ein Landschaftsfilm über einen sterbenden See und seine öde Umgebung. Und dann noch ein dritter, ganz leiser, poetischer Film, der aufzeigt wie zärtlich und froh tanzende Menschen miteinander umgehen. Und das – so der verblüffende Kunstgriff – ist der härtest mögliche Kontrast zum Elend der Menschen rund um den See in der Wüste. Ein See, der weniger Oase, als Friedhof für gescheiterte Existenzen ist.

Ein Film, der über die Lügen des neoliberalen Amerikas ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt mehr aussagt, als manche ausgeklügelte Polit-Analyse. Ein bewegender Film.

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