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Vor 40 Jahren: Bob Dylan kehrt auf die Konzertbühne zurück!

6. Januar 2014
Before+The+Flood+Bob+Dylan+And+The+Band++Before

Cover des 1974er Live-Albums „Before The Flood

Wer heute in der Lage ist, jährlich mehrere Bob Dylan-Konzerte zu besuchen, der kann sich das fast gar nicht mehr vorstellen: Zwischen 1967 und 1974 bestritt Bob Dylan gerade mal ein ganzes Live-Konzert (nämlich beim Isle Of Wight-Festival). Umso sensationeller seine Rückkehr auf die Bühne. Binnen kurzer Zeit waren die Konzerte quer durch die USA ausverkauft und Dylan & The Band traten oftmals zweimal am Tag an: Zur Nachmittags- und Abendvorstellung.

Je länger Dylan weg war, desto größer – überlebensgroß – war sein Mythos in diesen Jahren geworden. Nach sieben Jahren als Landmann, Familienvater und Einsiedler hatte ihn das Fieber wieder gepackt. Der Unterschied zu 1966, der Tour, die ihn schier auffraß und ihn beinahe umgebracht hätte: Dylan war mittlerweile der Chef im Ring. Keiner würde ihn mehr durch die Konzerte hetzen ohne Rücksicht auf Verluste. Auch deswegen hatte er sich von seinem Manager Albert Grossman getrennt. Er war von nun an auch geschäftlich sein eigener Herr und umgab sich mit den Leuten, die ihm halfen, durch seine ökonomische Unabhängigkeit auch seine künstlerische Unabhängigkeit bis heute zu behalten.

Künstlerisch fällt das Urteil über die Musik der Comeback-Tournee zwiegespalten aus. Sicher, da war die schiere vitale Lust am Livekonzert bei jedem Ton zu hören. Die Aufnahmen auf „Before The Flood“, dem Live-Souvenir der Tour, sind mitreißend und stimmungsvoll und das Publikum rastet aus. Dylan barst nur so vor Energie. Er eignete sich hier erstmals eine „Stadion-Stimme“ an mit der Songs förmlich herausschrie. Bob Dylan beherrschte die Pose der Rebellion perfekt.

Und damit sind wir schon bei der anderen Seite der Medaille angelangt. Dylan und der Band war die nostalgische Atmosphäre rund um die Konzerte nicht geheuer. Und so wechselte die Stimmung vom anfänglichen Enthusiasmus im Laufe der Tour zur Genervtheit. Dylan spielte und sang zwar mit großer Inbrunst und Kraft, aber es fehlte für ihn selber  die Verbindung zu den Feinheiten, Facetten und verschiedenen Dimensionen der Songs. Er wurde tatsächlich zum „Poser“.

Es war für viele Jahre die letzte „Nummer-Sicher-Tour“. Die Rolling Thunder Review 1975/76, die Welt-Tour 1978 und erst recht die „Born Again-Touren“ 1979/80 waren allesamt radikale Absagen an die Erwartungshaltungen seines Publikums. Bei Rolling Thunder folgten ihm die Leute, 1978 schieden sich die Geister und seine christlichen Konzerte stießen auf Ablehnung. Erst in den für Dylan so schlechten 80er Jahren sollte er wieder versuchen, sich näher an der Publikumserwartung zu orientieren.

Doch nie wieder seit 1974 hat er der nostalgisch gestimmten Menge dieses – „wir haben ihn wieder, er ist einer von uns-Gefühl“ gegeben. Immer wieder unterlief er die Erwartungen. Versemmelte Konzerte in den frühen Neunzigern, gefiel sich als musikalisch limitierter Leadgitarrist bis über die Jahrtausendwende, wurde in den letzten Jahren zum obskuren Orgel-Onkel und spielte in den Konzerten des Herbstes 2013 gar nur drei große Hits, stattdessen aber ganz viel vom Spätwerk. Und spielt plötzlich Abend für Abend die gleichen Songs.

Der Mann macht nur noch was er will. Und hat damit seinen Mythos und seine reale Bedeutung künstlerisch und als Rollenmodell in diesen 40 Jahren nur noch weiter vergrößert.

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