Nebraska

Nebraska_PosterNicht „Wolf Of Wall Street“ oder „American Hustle“ rühren uns dieser Tage an und erzählen uns Wahres aus Amerika, sondern ein schwarz-weißer Independent-Film voller karger Landschaften und alten Menschen: Alexander Paynes „Nebraska“ mit dem mittlerweile 76-jährigen Bruce Dern in der Hauptrolle.

Er spielt den alten Woody, der tatsächlich einem Reklameschreiben glaubt und denkt, dass er eine Million Dollar gewonnen hätte. Er müsse es sich nur in Lincoln, Nebraska abholen. Also macht er sich trotz Abratens seiner Frau und seiner zweier Söhne mit dem Jüngeren der beiden auf den Weg von Billings, Montana nach Lincoln, Nebraska, über Wyoming und South Dakota, und macht Zwischenstation in seinem Geburtsort Hawthorne.

Hawthorne existiert in der Wirklichkeit nicht, dient dem Regisseur aber als Kristallisationspunkt seiner Geschichte. Nebraska erzählt vordergründig vom letzten großen Traum eines alten, verbitterten Mannes. Im Hintergrund jedoch geht es auch um den Niedergang des großen Traums Amerikas. Nichts wird mehr besser und nicht jeder hat seine Chance. Das Heartland Amerikas, das Woody und sein Sohn durchfahren, ist arm und überaltert. Ein Leben lang haben diese Menschen gearbeitet, um am Ende stumpf vorm Fernsehen oder beim Flaschenbier in der öden Dorfkneipe zu sitzen. Die Jüngeren haben zu kämpfen. Wenn sie nicht einigermaßen Fuß fassen, dann können sie zu Problemfällen werden. So wie die beiden Grenzdebilen Neffen Woodys.

Doch Payne ist kein Dokumentarfilmer wie Michael Moore und kein Schöpfer klassenkämpferischer Sozialdramen wie Ken Loach. Payne ist ein Hollywood-Regisseur, der gute Geschichten erzählen will. Und so ist „Nebraska“ bei aller Langsamkeit nie langweilig, bei aller Kargheit kein leerer Film und bei aller Verbitterung und Verwitterung seiner Protagonisten nie ein trauriger Film. Skurrile Typen, amüsante Dialoge, starke Nebendarsteller – Woodys Frau! – und das richtige Setzen der Pointen machen Nebraska zu einem höchst unterhaltsamen Film.

Und letztendlich haben wir es ja hier doch mit Amerikanern zu tun. Auch wenn der Traum objektiv ausgeträumt ist und real gebrochen. Sie leben ihn weiter. Und so ist es Woodys wohl letzte Erfüllung, als er in dem ihm vom Sohn geschenkten Pick-Up eine Runde durch seinen Geburtsort fährt. „Ich hab’s geschafft. Ich haben meinen Traum wahr gemacht“, sagt diese Szene. Und balanciert gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen erhaben, tragisch und lächerlich.

Aber lächerlich macht sich Payne nie über seine Figuren. Bei aller Skurrilität. Er nimmt sie ernst und zeigt Empathie. Und auch gerade deswegen wird ein kleiner Schwarz-Weiß-Film zu großem Kino!

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