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Die Kriegsflagge der Konföderierten

28. Juli 2015

Als wir vor wenigen Wochen in den USA waren – noch vor den Ereignissen in Charleston – da nahmen wir zweimal die Flagge der Konföderierten als ganz besonders prominent hervorgehoben wahr. Ein obskurer Motorrad-Rocker hatte sie auf seinem Arm eintätowiert, verbunden mit dem Statement „Wenn Du diese Flagge nicht achtest, brauchst Du Geschichtsunterricht!“ und dann riesig am Rande des Highways in den Smokey Mountains wehend, gestiftet von den „Söhnen der Konföderation“.

Sicher, die Südstaatenflagge, die konföderierte Kriegsflagge, die hat man zuletzt halt hingenommen, auch wenn es einem schon irgendwie nicht richtig vorkommt, dass sie propagiert wird. Denn es war die Fahne einer Bundesstaatengemeinschaft, deren Zusammenhalt und wirtschaftlicher Macht auf der Sklaverei gegründet war. Und sie ist später immer wieder von denen genutzt worden, die die Niederlage der Konföderation und das Ende der Sklavenhaltergesellschaft nicht einsehen wollten. Und sie war eben immer auch Bestandteil der Repression, der Gewalt und der rassistisch motivierten Morde gegen Schwarze.

Für viele weiße Südstaatler ist sie zum Symbol der Südstaaten-Kultur geworden. „Lynyrd Skynyrd“ greinen beispielsweise nun auf diese Weise herum, man könne doch dieses Zeichen des Südstaaten -Erbes nicht verdammen. Im Bürgerkrieg wäre es um die Rechte von Staaten gegangen. „Oh Freunde, mehr Empathie bitte!“ Es ging vor allem auch um die Aufrechterhaltung der Sklaverei. Und zum Erbe des Südens gehörten auch die Jim Crow-Gesetze zur Rassentrennung. Ist das das Erbe der Südstaaten, das verteidigt werden soll? Die konföderierte Kriegsflagge ist zum Zeichen von Ku Klux Klan und Hate Groups geworden. Ist es so schwer nachzuempfinden, wie Schwarze fühlen, wenn sie sie sehen?

Bei einer Veranstaltung mit der schwarzen Bürgerrechtlerin Lecia Brooks in Mainz, erinnerte sie uns kürzlich daran, dass die Konföderierten-Flagge in South Carolina erst in den Sechzigern über Staatsgebäuden aufgezogen wurde. Eine klares Statement gegen die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung!

Ja, es gibt ein kulturelles Erbe der Südstaaten, das Weiße und Schwarze leben können und wollen. Das ist die Musik – Blues, Country, Bluegrass, Gospel, Jazz und Rock’n’Roll. Das sind die Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegung. Das sind Soulfood, Catfish, Gumbo und Jambalya, Cornread and Butterbeans and Black Eyed Peas, Limonade und Sweet Tea. Das sind Höflichkeit, Nachbarschaftshilfe und Gemeinsinn, Gastfreundschaft und wunderbare Landschaften. Die großartige Rhiannon Giddens singt in ihrem Song „Country Girl“ davon, dass sie als Schwarze, trotz der unseligen Geschichte und schweren Gegenwart, ganz bewusst im Süden bleibt, weil Sie hier zu Hause ist, den anderen das Feld nicht überlassen will und einfach den Lebensstil dieses Landstrichs mag.

Dieses Erbe, diese Kultur, dieser Lebensstil braucht die Kriegsflagge der Konföderierten nicht, sie schadet ihm, weil sie weiterhin schwarz und weiß spaltet. Zuletzt sind auch wichtige Stars der Countryszene auf Distanz gegangen. Also: Holt endlich die Fahnen runter und wickelt sie ein, sie haben schon lange ausgedient.

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