Archive for November 2015

Dylan-Day am 24. Mai 2016 in Darmstadt

29. November 2015
© Sony Music

© Sony Music

Der 75. Geburtstag von „His Bobness“ wird in Rhein-Main im Darmstädter Theater im Pädagog gefeiert

Die ultimative Feier im Rhein-Main-Gebiet zu Bob Dylans 75. Geburtstag findet am 24. Mai 2016 in Darmstadt statt. Im Rahmen der Darmstädter Konzertreihe „Americana im Pädagog“ wird es einen spannenden Mix aus viel Musik, Vorträgen und Diskussionen geben. Fest zugesagt haben bereits der deutsche Dylan-Kenner und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering, sowie die Frankfurter „DoubleDylans“ und der Darmstädter Singer-Songwriter Dan Dietrich.

Die Reihe „Americana im Pädagog“ gibt es seit 2014 und hat die Absicht im Rhein-Main-Gebiet Künstlern aus den Bereichen Folk, Country, Blues und Roots Rock ein Podium zu geben und in der Region eine Anlaufstelle für alle an dieser Musik Interessierten zu bieten.

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Dan Dietrich

23. November 2015
Copyright: Dan Dietrich

Copyright: Dan Dietrich

Es bleibt dabei. Wer sich mit Songwriting und Folk beschäftigt, kommt an Bob Dylan nicht vorbei. Und selbst wenn man mit seinen Songs oder seiner Person nichts anfangen kann, so bleibt er doch als Referenzobjekt gegenwärtig. Wie man Dylan gleichzeitig schätzen und trotzdem respektlos begegnen kann, zeigen bereits seit einigen Jahren die Frankfurter „DoubleDylans“ beispielhaft.

Und das schöne ist, die frischen jungen Songwriter, die sich nicht am überlebensgroßen Vorbild pseudo-politisch abarbeiten müssen, sondern sich ganz selbstverständlich wissenskundig seine Songs und seine Lyrik aneignen, wachsen immer wieder nach. Dan Dietrich aus Darmstadt ist einer von Ihnen. Selten habe ich Dylan-Titel in letzter Zeit so nah am Original und trotzdem ganz anders gehört wie bei dem Songwriter aus Südhessen. Seine Arrangements sind raffiniert einfach und eindringlich, seine Stimme ist voller Wärme, sein Gesang ausdrucksvoll. Da singt einer voller Überzeugung und ohne Überhöhung, mit Respekt aber ohne falsche Ehrfurcht die Songs seines berühmten Songwriterkollegen.

Und Dietrich wandelt nicht auf eingetrampelten Pfaden. Natürlich hat er auch „Blowin‘ In The Wind“ im Live-Programm, aber auch weniger bekannte Songs wie „Sweetheart Like You“ („Infidels“ 1983) oder „Nobody ‚Cept You“ („Desire“-Outtake 1975). Letzteres hat er auch auf seine schöne EP „Dan plays Dylan“ genommen. Ebenfalls drauf sind „Moonshiner“, das Dylan 1963 aufgenommen und erst 1991 veröffentlicht hat und „A Couple Of More Years“, das Dylan in seinem Film-Fiasko „Hearts Of Fire“ zum Besten gegeben hat. Dazu kommen die Klassiker „A Hard Rain’s Gonna Fall“ – hier sehr nah am Original, live spielt er eine sehr schöne, „freiere“ Fassung – „Masters Of War“ in einer rhythmisch raffinierten Version, das als Duett mit Joan Baez bekannt gewordene „Mama You’ve Been On My Mind“, sowie – Uffbasse! – als Hidden Track die Endzeit-Parabel „All Along The Watchtower“.

Dan Dietrich ist 33 Jahre alt und führt neue Generationen an Dylan heran. Unaufgeregt, bescheiden, künstlerisch stark und völlig unprätentiös. Gut so!

Wer Dan Dietrich live erleben will, kann das am Donnerstag, 25. Februar, in Darmstadt bei „Americana im Pädagog“ im Doppelkonzert mit Delta Danny.

Mehr Infos und Hörbeispiele: http://www.dandietrich.net

Fünf von Sechs!

19. November 2015

AmericanaDie Reclam Musik Edition zeigt viele Stärken, ein paar Schwächen und bestätigt Bob Dylans Ausnahmestellung

Seit einiger Zeit schon gibt es die CDs mit gelbem Cover der Reclam Musik Edition. Die kleinen gelben Reclam-Heftchen waren ja immer das Manna des bildungsbürgerlichen Nachwuchses und selbst ich als Kind eines kleinen Angestellten und einer Hausfrau, der es als erster seiner Familie aufs Gymnasium geschafft hatte, bekam ja seit der Mittelstufe Zugang zu den sorgsam editierten Klassiker-Volksausgaben für das kleine Geld. Shakespeares „Julius Caesar“ oder Shaws „Pygmalion“ begleiteten mich durch den Englisch-Unterricht, und noch waren die Dylan-Texte, die damals auch bereits Gegenstand der gymnasialen Bildung waren, nur als billige Zettel-Kopien als Unterrichtsmaterial erhältlich.

Umso größer mein Erstaunen über die günstigen CDs mit Best Of Kompilationen in der bekannten puristischen gelben Reclam-Optik. Denn die entpuppten die sich beispielsweise bei Bob Dylan als bereits längst vorhandene Kompilation, die von Sony einfach unter neuer Flagge zweitverwertet wurden. Selbst für Reclam zu billig, dachte ich mir und irgendwie an der Grenze zum unfreiwilligen Humor.

Aber dann fielen meine Augen kürzlich auf die sechs „All About“-Kompilationen. Und siehe da – es geht doch! Den Themen Americana, Singer-Songwriter, Acoutic Vibes, Revolution, Flower Power und Epic Rock gewidmet, lassen sie keine Wünsche offen. Gut zusammengestellt, mit kundigen Liner Notes versehen von Ernst Hofacker, einer Koryphäe des Musikjournalismus, gibt die Reihe einen sehr guten ersten Überblick über die Genres.

Auf fünf der sechs Sampler ist His Bobness sowohl mit eigenen Aufnahmen, als auch als Songwriter vertreten. Das bestätigt wieder einmal seine Ausnahmestellung in der populären Musik. Nur einmal – wen wundert’s – muss er passen. Ein Epic-Rock-Werk ist im Kanon des Meisters nun wirklich nicht zu finden.

Bob Dylan in der „All About“-Reihe:

Americana: Als Interpret eigener Songs mit „This Wheel’s On Fire“ (mit The Band) und „Heartland“ ( bmit Willie Nelson) sowie als Songwriter mit „You Ain’t Goin‘ Nowhere“ von den Byrds.

Singer/Songwriter: Als Interpret eigener Songs mit „It’s All Over Now Baby Blue“.

Acoustic Vibes: Als Songwriter mit „Knockin On Heaven’s Door“ in der Interpretation von Avril Lavigne.

Revolution: Als Interpret eigener Songs mit „Maggies Farm“

Flower Power: Als Interpret eigener Songs mit „Subterranean Homesick Blues“

Alle Titel sind passend ausgewählt. Nur beim letzteren finde ich das Love & Peace & Drogen-Motiv wenn überhaupt bei Dylan – Hofacker schreibt ja richtigerweise, dass Dylan nie ein Hippie war – dann eher bei Mr. Tambourine Man angesiedelt. Denn „Tambourine Man“ ist wirklich der Song zum friedlichen Trip, während ich „Subterranean“ dafür immer viel zu aufwühlend und als unterschwellig aggressiv und verstörend empfand. Das klingt eher nach Straßenkampf und nicht umsonst hat eine militante linke Gruppe in den USA aus diesem Song ihren Namen „Weathermen“ entliehen.

Doch ich bleibe dabei. Sony/Reclam sind sehr schöne Zusammenstellungen gelungen. Für kleines Geld eine gute Einführung in die Welt von Folk, Rock und Country. Und Reclam hat bei mir seinen Ruf wieder gerettet.

Delta Danny

6. November 2015

Man übersieht sie fast, wenn sie so in einer Ecke der dunklen Kneipe an der Gitarre sitzt. Aber man kann sie nicht überhören, auch wenn sie gar nicht laut ist. Denn Delta Dannyjpgder Sound, den die Darmstädterin Daniela Schumacher, die in ihrem Künstlerleben Delta Danny heißt, erzeugt, fängt einen ein und lässt nicht mehr los.

Delta Danny hat den Blues. Diesen ewigen, archaisch anmutenden Country-Blues. Ihre Stimme, die so rauh und herb und auch irgendwie männlich klingt, als gehöre sie gar nicht zu ihr und dann doch wieder so gut zu ihrer androgynen Erscheinung passt, hat den Blues in sich. Ihr Gitarrenspiel, das sie so virtuos mit Zupfen und Picken und Anschlag beherrscht, hat den Blues in sich. Ja, ihre Erscheinung, die so klein und zierlich ist, und mitunter so verloren wirkt, hat den Blues in sich. Ihr Songwriting, das so klassisch und genretypisch ist, dass ihre Songs selbst zwischen den ganz großen Klassikern dieser Musik wie „Sweet Home Chicago“ oder „I’m Ready“ bestehen kann, hat den Blues in sich.

Auf ihrem Doppelalbum „The Blues And More… I & II“ sind 18 Stücke – Coverversionen wie eigene Songs – vereinigt. Sie verneigt sich vor den ganz Großen ihrer Zunft wie Robert Johnson, Willie Dixon, Mississippi John Hurt und covert sogar Bob Dylan („Knockin‘ On Heavens Door“) und macht aus seinem bestens bekannten Klassiker etwas ganz eigenes. Ein leises Stück voller Schwermut und Endlichkeit. Ihre eigenen Songs künden denn auch mit viel Melancholie vom Verlust, vom Abschied und der Erinnerung – sie verkünden den Blues.

Dass da mit „Whiskey In The Jar“ ein totgenudelter Pub-Klassiker irgendwie nicht rein passt, fällt als keiner Schönheitsfehler kaum ins Gewicht. Ein starkes Album. Aber Uffbasse: Diese Musik verdient Aufmerksamkeit, denn sie ist so zart und zerbrechlich, dass sie als Hintergrundmusik für was auch immer eigentlich viel zu schade ist. Es ist ihr zu wünschen, dass sich das weit rumspricht. Viele spielen und singen den Blues handwerklich gut. Aber Delta Danny hat mehr. Sie hat den Blues in sich.

Kostprobe gefällig? Delta Danny auf der Bühne des wunderbaren Rodgauer Musik-Clubs „Maximal“: