Delta Danny

Man übersieht sie fast, wenn sie so in einer Ecke der dunklen Kneipe an der Gitarre sitzt. Aber man kann sie nicht überhören, auch wenn sie gar nicht laut ist. Denn Delta Dannyjpgder Sound, den die Darmstädterin Daniela Schumacher, die in ihrem Künstlerleben Delta Danny heißt, erzeugt, fängt einen ein und lässt nicht mehr los.

Delta Danny hat den Blues. Diesen ewigen, archaisch anmutenden Country-Blues. Ihre Stimme, die so rauh und herb und auch irgendwie männlich klingt, als gehöre sie gar nicht zu ihr und dann doch wieder so gut zu ihrer androgynen Erscheinung passt, hat den Blues in sich. Ihr Gitarrenspiel, das sie so virtuos mit Zupfen und Picken und Anschlag beherrscht, hat den Blues in sich. Ja, ihre Erscheinung, die so klein und zierlich ist, und mitunter so verloren wirkt, hat den Blues in sich. Ihr Songwriting, das so klassisch und genretypisch ist, dass ihre Songs selbst zwischen den ganz großen Klassikern dieser Musik wie „Sweet Home Chicago“ oder „I’m Ready“ bestehen kann, hat den Blues in sich.

Auf ihrem Doppelalbum „The Blues And More… I & II“ sind 18 Stücke – Coverversionen wie eigene Songs – vereinigt. Sie verneigt sich vor den ganz Großen ihrer Zunft wie Robert Johnson, Willie Dixon, Mississippi John Hurt und covert sogar Bob Dylan („Knockin‘ On Heavens Door“) und macht aus seinem bestens bekannten Klassiker etwas ganz eigenes. Ein leises Stück voller Schwermut und Endlichkeit. Ihre eigenen Songs künden denn auch mit viel Melancholie vom Verlust, vom Abschied und der Erinnerung – sie verkünden den Blues.

Dass da mit „Whiskey In The Jar“ ein totgenudelter Pub-Klassiker irgendwie nicht rein passt, fällt als keiner Schönheitsfehler kaum ins Gewicht. Ein starkes Album. Aber Uffbasse: Diese Musik verdient Aufmerksamkeit, denn sie ist so zart und zerbrechlich, dass sie als Hintergrundmusik für was auch immer eigentlich viel zu schade ist. Es ist ihr zu wünschen, dass sich das weit rumspricht. Viele spielen und singen den Blues handwerklich gut. Aber Delta Danny hat mehr. Sie hat den Blues in sich.

Kostprobe gefällig? Delta Danny auf der Bühne des wunderbaren Rodgauer Musik-Clubs „Maximal“:

Schlagwörter: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: