Archive for April 2016

Dylan Hour III – Radio Darmstadt – Do,21.04.16- Sendezeit: 21.00-23.00

20. April 2016

bob-dylanbyWilliam ClaxtonModeration: Marco Demel und Thomas Waldherr
Das Spätwerk. Teil1: „Love & Theft“ und Modern Times

103,4 MHz und http://www.radiodarmstadt.de

Die monatliche DylanHour, die die nun über ein halbes Jahrhundert andauernde Karriere von Bob Dylan anlässlich seines bevorstehenden 75. Geburtstag noch einmal Revue passieren lassen und herausragende Schaffensphasen in Erinnerung rufen möchte, wird sich diese Sendung seinem Spätwerk widmen, welches er 2001 mit dem Album „Love & Theft einläutete und 2006 mit Modern Times fortsetzte.

Die DylanHour beschäftigt sich mit der Musik, den Songs und den Lyrics, wirft immer wieder einen Blick auf Dylans Methoden der Textkomposition, untermalt von Übersetzungen der Texte, biographischen und literarischen Hintergrundinformationen. Lebensphilosophie, Weltanschauung, Sinnsuche und die selbstauferlegte Wächterfunktion des American Songbook, das Erinnern an die Wurzeln der amerikanischen Populärmusik spiegeln sich in den Songs dieses Musikers wieder.
Bob Dylan, der Vater des Americana, der er seit den Basement Tapes ist, entlehnt vieles in seinen neuen Stücken uralten Blues oder Countrysongs.
„ Love And Theft“ – so lautet der Titel und damit das Motto des einen Albums.

Das Nachfolger-Album trägt den Titel Modern Times . Auch auf diesem Album gibt uns Dylan wieder die verlorene Einfachheit der alten Songs zurück, die in unseren modernen Zeiten vergessen worden ist.

Dylans Kreativität war im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends überbordend wie zuletzt Mitte der 60er und 70er Jahre. 2003 drehte er den Film Masked & Anonymous. Die Einbettung von Musik und Film, Konzeption von Drehbuchs und Soundtrack , Dylans weit aufgefächerter Kosmos der Themen wie etwa Macht, Verlust und Sehnsucht zeichnet das großartige Spätwerk dieses Musikers aus.

Dylan verströmt auf beiden Alben eine geerdete Stimmung in der Beschreibung der Welt, genauer gesagt Amerikas, ausgehend von Stimmen, die der Vergangenheit dieses Landes entstammen, immer wieder von alten Songs und ihren Strukturen, von Liedtexten, die längst schon in vielen Versionen dargeboten worden sind. Man merkt es deutlich und kann es heraushören. Der Lebensabend ist eingeläutet, der Vertrag mit dem Leben wird schon bald nicht mehr verlängert.
Dylan findet sich damit ab und lässt mit seiner Musik seine Hörer teilhaben an seiner Gefühlswelt.
Diese Sendung beschreibt die erste Phase seines Spätwerks, bevor wir am 19. Mai kurz vor seinem 75. Geburtstag in der Dylan-Neuzeit ankommen und unseren Hörern die aktuellsten Alben Tempest und Shadows in the Night vorstellen werden.

Merle Haggard

17. April 2016

Merle_Box_Cover

Über Mel Haggard sind in den vergangenen Tagen seit seinem Tod sehr viele gute Beiträge zu lesen gewesen, allem voran auf country.de, dem deutschsprachigen
Country-Onlinemagazin. Dem hatte und habe ich nicht viel hinzuzufügen und dennoch dachte ich mir, dass auf einer Seite, die sich nun schon seit fast sieben Jahren mit Bob Dylan und Americana beschäftigt, sich eine Würdigung von Merle Haggard einfach gehört. Also hier ein paar persönliche Gedanken.

Jeder weiß, und das steht ja auch über diesem Blog, dass ich über Bob Dylan musikalisch sozialisiert wurde. D.h. auch, dass ich viele Künstler erst durch ihn kennen- bzw. schätzen gelernt habe. Merle Haggard ist so ein typischer Fall. Ich habe ihn erst spät entdeckt. Für mich war er viele Jahre nicht mehr als ein bekannter Countrysänger, von dem ich eine Best of-Kompilation im Plattenregal hatte. Und was ich von ihm kannte – „Okie from Muskogee“ – war ja auch eher schlecht beleumundet.

Doch dann kam ja Anfang des Jahrtausends für mich die Entdeckung der Old Time Music und dann hatte Dylan 2005 den alten Merle für sein Vorprogramm verpflichtet und den Song Workingmans Blues #2 – also ein direkter Merle-Bezug – auf seinem 2006er Album „Modern Times“ veröffentlicht. Und ich dachte mir, was soll das jetzt? Also begann ich zu forschen und zu recherchieren. Ich entdeckte den original „Workingmans Blues“. Ich entdeckte Merles Vorliebe für Jimmie Rodgers und holte mir seine Tributalben zu dem „Singin‘ Brakeman“ und zu den Bristol Sessions. Ich sah eine interessante Doku über ihn und las in einem Interview, wie kritisch er die Politik der Republikaner in den USA sah. Ich staunte über seine Songlyrik und über sein Ansehen bei Musikern wie Joan Baez, Kinky Friedman oder Kris Kristofferson. Ich hatte viel Spaß mit seinen neueren Alben und seiner Zusammenarbeit mit Willie Nelson – Cool Old Cats! Und der Video zu „We’re All Going To Pot, wie ironisch da Merle und Willie am Joint zogen. „We don’t smoke Marihuana in Muskogee“- hahaha!

Dann kam Angang 2015 Dylans atemberaubende Music Cares-Rede und ihre verstörende Haggard-Passage, die Dylan umgehend noch einmal klar stellte. Nein, er hat nichts gegen den Merle von heute. Er ist mit ihm getourt und hätte ihn gerne als Fiddler für sein Jimmie Rodgers-Projekt gewonnen. Aber in den 60er Jahren, da hätte ihn Haggard mit den Hippies, die er damals nicht leiden konnte, in einen Topf geworden. Und dann sagt Dylan dann etwas sehr entscheidendes: „Merle Haggard zählt heute eher zur Gegenkultur“.

Und doch war dieser Merle Haggard, so sehr ich ihn bewundere, stets eine ambivalente Erscheinung. Als wir ihn letztes Jahr in den Staaten in North Carolina noch bei einem Konzert sehen durften, da war das musikalisch großartig, Atmosphäre und Publikum jedoch recht speziell. Alle waren weiß, alle trugen Basecaps und Karohemd, nur wenige Cowboyhut. „America Is Great“ sowie „If you don’t love it, leave it“ waren auf Merles Devotionalien so dick aufgetragen, dass es schwer verdaulich war. Aber wohl eindeutig zielgruppengerecht. Sie haben ihn geliebt, aber sie haben seine Songs sicher nie so ironisch verstanden, wie er den „Okie from Muskogee“ zuletzt gerne verkauft hat. Es waren die weißen amerikanischen Arbeiter und Farmer, die Merle Haggards Konzert in North Carolina besucht haben. Diejenigen, die in ihrer prekären sozialen Situation Zuflucht im rückwärtsgewandten Patriotismus suchen. Und es ist sicherlich nicht zu gewagt anzunehmen, dass viele von denen jetzt auch Donald Trump-Fans sind.

Merle Haggard ist somit einer dieser Künstler, die immer weit toleranter und geistig freier sind als ihr Publikum, und die einfach nicht rauskommen aus ihrer Schublade, so sehr sie sich auch bemühen und somit auch stets gezwungen sind oder sich gezwungen fühlen, ihre alten Fans und deren Lebens- und Gedankenwelt zu bedienen. Und dennoch jeden Respekt verdienen, weil sie künstlerisch großartiges geschaffen haben. Und das hat Merle Haggard. Wie kaum ein anderer in Countrymusik.

Kinky Friedman sang im letzten Jahr auf Tour stets Haggards „Hungry Eyes“ und kündigte den Song mit den Worten „der ist von dem großen amerikanischen Songwriter Merle Haggard“ an. Merle hinterlässt eine große Lücke. Gut, dass ich ihn noch erleben durfte.

SONiA Rutstein

1. April 2016

SONiA1Phil Ochs ist ihr Vorbild, sie ist die Cousine von Bob Dylan und ihre Live-Auftritte sind mitreißend

Ich kann mich noch gut erinnern an ihren ersten Auftritt bei „Americana im Pädagog“ im letzten Jahr. Das Echo hatte im Vorfeld einen großen Artikel über sie veröffentlicht, sie als tolle Songwriterin und Cousine von Bob Dylan gewürdigt und auf ihre Vorliebe für die Songs von Phil Ochs hingewiesen. Der Boden war bereitet.

Doch ihr Konzert hätte mehr Zuschauer verdient gehabt, denn es war der erste schöne, laue Frühlingsabend 2015 und die Leute zog es nicht in Massen den Keller hinunter. Die Berichterstatterin des Echos schrieb dennoch eine fabelhafte Konzertkritik, denn wer nicht da gewesen war, der hatte wirklich etwas verpasst.

Mit wie viel Energie und Temperament diese kleine, zierliche Frau die Bühne einnimmt, ist mitreißend. Sie singt Folkmusik mit Rock- und Pop-Appeal und ihre Lieder handeln von der Liebe und von der Menschlichkeit und wenden sich gegen Homophobie, Rassismus und Krieg. Ihre Musik ist lyrisch und packend – vital und sensibel zugleich – ihre klare Stimme mal zart, mal kraftvoll.

Sie ist eine bemerkenswerte Künstlerin, der die ganz große Karriere verwehrt blieb, aber sich dabei stets treu geblieben ist. Und sie ist ein wunderbarer Mensch auf den ich mich einfach sehr freue. Am nächsten Donnerstag, 7. April (20 Uhr/Eintritt 10 Euro), spielt sie erneut im Pädagog. Welcome back, SONiA!

Karten zum Konzert von SONiA können im Vorverkauf online unter http://www.paedagogtheater.de erworben werden. Vorbestellungen sind unter + 49 (0) 6151 – 66 01 306 telefonisch und unter theaterimpaedagog@gmx.de per E-Mail möglich.

Und hier eine kleine Video-Playlist von SONiA: