Posts Tagged ‘Bluegrass’

Mandoline Orange

9. Februar 2018

Photo by Scott McCormick

Es war ein ganz feines, ruhiges, intensives, wunderschönes Konzert, das Mandoline Orange da vor wenigen Tagen in der Frankfurter Brotfabrik gespielt haben. Andrew Marlin und Emily Frantz sind seit 2009 als Duo unterwegs, ihre Folkmusik fußt auf Mountain Music und Bluegrass ihrer Heimat North Carolina.

Ihre Musik war auch an diesem Abend nie schnell, sondern langsam und höchstens Midtempo. Aber instrumentell und vom Songwriting her auf höchstem Niveau, und daher keine Sekunde langweilig. Insbesondere Andrews Mandolinen- und Emilys Geigenspiel verzaubern, verzücken und entführen die Hörerinnen und Hörer. Sie verstehen es, gut eineinhalb Stunden das Publikum in der gut gefüllten Brotfabrik auf eine melancholische Reise mitzunehmen.

Sie spielen dabei eine ganze Menge Songs ihres aktuellen Albums „Blindfaller“. Das großartige „Wildfire“, die traurige Ballade über die ewige amerikanische Wunde Bürgerkrieg oder „Gospel Shoes“ über die Instrumentalisierung der Religion zu politischen Zwecken. Die Magie, die sich an diesem Abend aufbaut, beruht auch auf der engen musikalischen Verbindung von Andrew und Emily, die im Zusammenspiel beinahe blind harmonieren. Ihr wunderschöner Harmoniegesang – auch eine Appalachen-Tradition – ist dann das Sahnehäubchen auf dem großartigen Vortrag.

Und als sie dann wiederkommen, nachdem die Rausschmeißermusik schon gestartet wurde, und die vielleicht schönste Coverversion von Bob Dylans „Boots Of Spanish Leather“, die man je gehört hat, dem Publikum zum Abschied mit auf den Weg geben, kann dieses Konzert dann endgültig nur mit dem Begriff „legendär“ bezeichnet werden. Wer dabei war kann sich glücklich schätzen!

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Bluegrass-Bob

17. Januar 2010

Beim Schreiben meines neuesten Beitrages für http://www.country.de über Jim Lauderdale – der veröffentlichte zwei Alben in Zusammenarbeit mit Bluegrass-Legende Ralph Stanley – erinnerte ich mich wieder: 1997 hat Dylan mit Ralph Stanley zusammen den Bluegrass-Song „The Lonesome River“ für dessen Album „Clinch Mountain Country“ aufgenommen. Bobbie outete sich damals als Stanley-Fan und bezeichnete das Duett als „Karriere-Highlight“, Stanleys Frau wiederum bezeichnete die Aufnahme als die Beste des ganzen Albums. Und wirklich: Sehr hörenswert!

Doch dann ratterte es bei mir los. Nein, Bob Dylan hat bislang noch kein Bluegrass-Album aufgenommen (aber das ist ihm auch noch zuzutrauen…), aber dass er dem Genre sehr verbunden ist, dafür gibt es doch einige deutliche Anhaltspunkte. Fangen wir beim Anfang an: Sein Debüt-Album erhielt eine Folk-Version von „Man Of Constant Sorrow“. Jenem Song, der so etwas wie eine Erkennungsmelodie für den mittlerweile bald 83-jährigen Stanley ist. Als jener Bluegrass-Song, dann durch den Soundtrack von „Oh Brother, Where Art Thou?“ noch einmal zum Hit wurde, spielte Dylan als Referenz eine Rockversion des Liedes in seinen Konzerten.

Und als Dylan in den Neunziger Jahren seine Schaffenskrise durch die Vergewisserung über seine musikalischen Wurzen überwinden konnte, da gab es auch eine Bluegrass-Periode in seinen Live-Konzerten. Vom Herbst 1999 bis zum Sommer 2002 spielte Dylan in seinem Akustischen Set zum Konzertauftakt stets neben eigenen Songs auch zwei Bluegrass oder Country-Gospels. „Halleluja, I’m Ready To Go“, „I Am The Man, Thomas“ oder „White Dove“ waren darunter. Erst als er seine neue Rolle auf der Bühne als „Mann am Klavier“ definierte, fielen die Bluegrass-Songs aus dem Programm.

Mittlerweile ist „The Lonesome River“ auch auf „Tell Tale Signs“, dem achten Teil der Bootleg-Series, enthalten. Und „Bob Dylan goes Bluegrass“ wäre sicherlich nicht die schlechteste Option für eine neue musikalische Richtung Dylans…