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Der Geist von Woody Guthrie

10. November 2017

Woody Guthrie

Gedanken anlässlich des 50. Todestages der Folk-Ikone/ von Thomas Waldherr

Dieser Tage beschäftigt sich „Americana im Pädagog“, die Darmstädter Konzert- und Veranstaltungsreihe intensiv mit Leben und Wirken Woody Guthries. Vergangenen Mittwoch hielt „Americana“-Kurator Thomas Waldherr auf einer Kooperationsveranstaltung von Volkshochschule Darmstadt und „Americana im Pädagog“ einen Vortrag zu Leben und Wirken der US-Folk-Ikone. Für den Januar ist dann ein großes Tribute-Konzert mit vielen Künstlern aus Darmstadt und Umgebung geplant.
Was aber macht Woody auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod (er verstarb am 3. Oktober 1967) noch so interessant? Nun für die bürgerlichen Mainstream-Medien scheinbar nichts. Denn die Hommagen oder Erinnerungen an den Polit-Hobo der 1930er und 40err Jahre waren rar gesät. Aber warum sollen auch Medien, die sich statt mit der Einkommensschere, der fehlenden sozialen Gerechtigkeit und der Altersarmut in diesem Land lieber mit einem Themenmix zwischen Überfremdungsängsten und Veganismus beschäftigen, sich für den linken Sänger Woody Guthrie interessieren, der für die Arbeiter, Tagelöhner, Kleinbauern und Obdachlosen gesungen hat?

Aber genau das was Woody gemacht hat, und wie es Woody gemacht hat, macht ihn so interessant. Woody ging dort hin, wo die Menschen waren, sprach ihre Sprache. Er war einer der ihren. Er hatte menschliches Elend, Armut, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit selbst erlebt. Er war glaubwürdig. Er sang Melodien, die jeder kannte und setzte Texte darauf, die jeder verstand, weil sie vom Leben der Menschen handelten. Da war Woody ganz Hillbillymusiker: „Three Chords And The Truth!“

Aber dabei blieb Woody nicht stehen. und das unterscheidet Folk von Country: Er versuchte in den Liedern auch Ursachen für das Elend und Perspektiven für eine Veränderung und Verbesserung aufzuzeigen. Und das alles ohne vertonte Parteiprogramme und hohlem Agitprop. Dazu war er zu sehr eigenständig denkender, kreativer Künstler. Deswegen wollte er auch nie eingeschriebenes Mitglied einer Partei sein.

Heute scheint die politische Linke nicht mehr nah genug bei den Menschen zu sein. Sie ist nicht mehr in der Lage, die einfachen Leute anzusprechen. Ihre Sprache ist entweder zu technokratisch oder zu akademisch. „Volksnah“ ist zum Schimpfwort geworden, seit es alleine mit Bierzelt und Stammtisch und Karnevalssitzung verbunden wird.

In den 1930er und 40er Jahren hatte progressive Politik in den USA eine emotionale Erzählung. Präsident Roosevelt formulierte es so: „Diese große Nation wird weiter bestehen wie bisher, wird wieder aufblühen und gedeihen. So lassen sie mich denn als Allererstes meine feste Überzeugung bekunden, dass das Einzige, was wir zu fürchten haben, die Furcht selbst ist – die namenlose, unvernünftige, unbegründete panische Angst, die die so nötige Anstrengung lähmt, den Rückzug in einen Vormarsch zu verwandeln…

…Vor unserer Türschwelle liegt so vieles, doch auch wenn wir die Vorräte vor Augen haben, schaffen wir es nicht, sie uns nutzbar zu machen. Das liegt in erster Linie an der Verbohrtheit und Unfähigkeit derer, die den Austausch der Menschheitsgüter zu regeln hatten. Sie haben versagt…Das Glück besteht nicht im bloßen Geldbesitz. Es besteht im Stolz auf das Geleistete, in der Freude an kreativer Tätigkeit. Die Freude und der moralische Antrieb der Arbeit dürfen nicht länger über der hektischen Jagd nach vergänglichem Gewinn vernachlässigt werden.”

Thomas Waldherr (Foto: Volker Herms)

Und Woody und seine Freunde, Kollegen und Genossen sorgten dafür, dass Roosevelts Ideen auch wirklich in die Tat umgesetzt wurden, denn so mancher Fabrikbesitzer oder Eigentümer einer großen Farm irgendwo mitten im Land interessierte das Geschwätz aus Washington nicht. Das Recht, sich gewerkschaftlich zu betätigen und zu streiken war zwar von der neuen Regierung nun gebilligt worden, aber in der Realität beschwor man damit oftmals enorme Brutalität seitens der Besitzenden und ihrer Schergen herauf. Auch davon konnte Woody ein Lied singen. Auch darin war Woody ein Vorbild, er ging im wahrsten Sinne des Wortes dahin, wo es weh tat.

Vor 50 Jahren starb Woody. Doch seine Musik und sein Leben ist durch Ramblin‘ Jack Elliott, Pete Seeger, Bob Dylan, Joan Baez, seinem Sohn Arlo und bis heute vielen weiteren Musikern, die sich auf ihn beziehen, sowie wegen seiner Tochter Noras kluger Nachlassverwaltung, immer noch präsent. So präsent, dass man ihn in den Zeiten von Trump schmerzlicher denn je vermisst.

Denn wie sang Steve Earle so treffend in seinem Lied Christmas in Washington:

„So come back Woody Guthrie
Come back to us now
Tear your eyes from paradise
And rise again somehow
If you run into Jesus
Maybe he can help you out
Come back Woody Guthrie to us now“

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„Indie, Woody, Country“

24. August 2017

„Americana im Pädagog“ bleibt auch im zweiten Halbjahr 2017 abwechslungsreich und vielfältig

„Americana im Pädagog“-Kurator Thomas Waldherr

Die Darmstädter Konzertreihe „Americana im Pädagog“ versucht immer wieder die große Bandbreite dieser Musik darzustellen und auszuloten. Nach dem erfolgreichen ersten Halbjahr mit fünf (!) bestens besuchten Veranstaltungen – „Lovesongs For The Other America“ (Folk- und Protestsong), „Mississippi“ mit Richie Arndt (Blues), The Lasses & Sue Ferrers (American Mountain Music & ihre schottisch-irischen Wurzeln), Sonia Rutstein (Folk & Folkrock) und „Bob Dylan: Planetenwellen“ mit Heinrich Detering und Dan Dietrich (Lesung mit Musik) wird auch im Herbst ein abwechslungsreiches und vielfältiges Programm im Theater im Pädagog geboten.

Kurator Thomas Waldherr, Musikjournalist sowie Americana- und Bob Dylan-Experte: „Die Spanne reicht diesmal von jungem Indie-Folk mit dem Duo Kenneth Minor am 28.9. über das humorvolle Americana-Programm der Lucky Wilson Band am 26.10 sowie einem Vortragsabend zur amerikanischen Folk-Ikone Woody Guthrie am 8.11. bis hin zum vorweihnachtlichen ‚Classic Country & Christmas‘-Abend mit der Texas House Band am 30.11.“ Beginn der Veranstaltungen ist jeweils 20 Uhr.
Auch TIP-Direktor Klaus Lavies ist voller Vorfreude: „Gut, dass es wieder losgeht, die Americana-Reihe ist eine wichtige Säule im Programm und erfährt durchweg einen sehr guten Zuschauerzuspruch.“

Hier die Veranstaltungen im Einzelnen:

Kenneth Minor (Donnerstag, 28. September, Eintritt 8 Euro)
Indie-Folk
Das Publikum darf sich auf ein ganz besonderes Duo-Paket voller neuer Geschichten und Folk-Songs freuen, die das Leben schreibt. Vorgetragen mit einer Gitarre und zwei Stimmen von Jörg Christiani und Athena Isabella. Mit Melodien, „die“, so der Rolling Stone, „von Mark Everett, Ray Davies oder They Might Be Giants“ stammen könnten. Die neue Platte “Phantom Pain Reliever“, zu der jüngst Jakob Friedrichs (Element of Crime) mit den Worten: „Tolle Songs, toller Sound und auch die Instrumentierung ist schön“ gratulierte, haben Kenneth Minor natürlich mit im Gepäck.

The Lucky Wilson Band (Donnerstag, 26. Oktober, Eintritt 12 Euro)
Finest Americana Music
Blues-Rock-Country-Swing der Marke LUCKY WILSON BAND ist 100% handmade, authentisch amerikanisch und für hiesige Breitengrade ziemlich unverwechselbar. „Grandpa“ Lucky Wilson (Git./Voc.) und seine vier „Geschwister“ Virginia Wilson, geb. Woolfe (Geige/Voc.), Willie Wilson (Baß/Voc.), Phil „the Kid“ Wilson (Git.) und Santa Claus Wilson (Drums) stehen für virtuose Spielfreude und vielstimmige Gesangsparts mit einem gezielten Schuß Entertainment. Unter einer Bedingung: die Sheriffs müssen draußen bleiben.

Woody Guthrie – Leben und Wirken (Mittwoch, 8. November, Eintritt 10 Euro)
Multimediavortrag von und mit Thomas Waldherr
Woody Guthrie ist eine Legende der Folkmusik und eine kulturelle Ikone der US-amerikanischen Linken. Mit „This Land Is Your Land, This Land Is My Land“ schrieb er die Hymne des „anderen Amerika“ und beeinflusste Musiker wie Pete Seeger, Joan Baez und Bob Dylan. Aus Anlass seines 50. Todestages – Guthrie verstarb am 3. Oktober 1967 im Alter von 55 Jahren an den Folgen der Nervenkrankheit Chorea Huntington – hält Thomas Waldherr im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung der Volkshochschule Darmstadt mit „Americana im Pädagog“ einen Vortrag über Werk und Wirkung Woody Guthries vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA von den 1930er bis 1960er Jahren. Der Multimediavortrag mit vielen Musikbeispielen soll einen spannenden Einblick in dieses Kapitel der amerikanischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte geben.

TeXas House Band (Donnerstag, 30. November, 12 Euro)
Classic Country & Christmas
Das abwechslungsreiche Programm der TeXas House Band reicht von traditionellen Cajun-, Blues- und Bluegrass-Songs über kernige Country-Klassiker und Western Swing hin zu gefühlvollen Balladen und teils poppig-melodischen Eigenkompositionen von Songwriter Helt Oncale. Charakteristisch für die TeXas House Band sind eine große Spielfreude und Musikalität, ein authentischer Sound und eine lockere, entspannt amerikanische Atmosphäre, die sich automatisch auf das Publikum überträgt. Beim Darmstädter Konzert läuten sie mit Country-Klassikern und Country-Christmas-Songs kurz vor dem 1. Advent die Vorweihnachtszeit ein. Die TeXas House Band sind: Helt Oncale (Gitarre, Fiddle, Gesang), Dave Schömer (Bass, Gesang), Christian Schüssler (Drums) und Dietmar Wächtler (Pedal Steel, Gesang)

Karten für die Veranstaltungen können im Vorverkauf online unter http://www.paedagogtheater.de erworben werden. Vorbestellungen sind unter 06151 – 66 01 306 telefonisch und unter theaterimpaedagog@gmx.de per E-Mail möglich.</strong

Der Protestsong in den Zeiten von Trump

7. April 2017

Während ich diese Zeilen schreibe, entwickelt sich ein kleines Anti-Trump-Spottlied von Joan Baez zum viralen Hit im Internet. Wow, der Twitter-Präsident gestellt von Joanie auf Facebook. Sie selbst sagt dazu, es wäre kein wirklich gutes Lied. Da mag sie recht haben, aber erstens hält so mancher Protestsong der Qualitätskontrolle nicht stand und ist trotzdem wirkungsvoll, und zweitens ist Joan Baez eben nicht die große Songwriterin, sondern die große Stimme und Interpretin des politischen Folksongs. Woody Guthrie, Pete Seeger, natürlich Bob Dylan, dann Donovan usw. – deren Lieder hat sie immer wieder gesungen und deshalb ihren Anteil an deren Unsterblichkeit. Apropos unsterblich: Natürlich haben die Songs der alten Helden auch ihren Platz im Widerstand gegen die Trump-Herrschaft. Aber es sind auch viele neue Songs entstanden, die entstanden sind, um gegen die Clique der Millionäre und Milliardäre, die sich US-Regierung nennt, zu protestieren.

„Old Man Trump“
Alles begann quasi mit der Synthese aus alt und neu. Als im letzten Sommer so langsam klar wurde, das Trump doch eine Chance hat, US-Präsident zu werden, da gruben Ryan Harvey, Tom Morello und Ani DiFranco einen alten Text von Woody Guthrie aus und vertonten ihn: „Old Man Trump“. Es geht darin um Donalds Vater. Der hatte mit Hilfe öffentlicher Gelder Mietshäuser gebaut, in denen er keine Schwarzen wohnen ließ. Woody bemerkte dies zu spät und wohnte eine Zeit lang in einem der Häuser Trumps. Und hatte darum einen Song voller Wut über den rassistischen „Old Man Trump“ geschrieben.

„1000 Days, 1000 Songs“
Als dann die heiße Wahlkampfphase lief und Trump plötzlich sich anschickte, das Rennen zu machen da startete die Aktion „30 Days, 30 Songs“. Bands wie Death Cab for Cutie, Franz Ferdinand und R.E.M. veröffentlichten nach einer Idee des Schriftstellers Dave Eggers über 30 Tage bis zum Wahltag in den USA je einen neuen Song gegen Trump. Weiter ging es dann mit dem Projekt „Our First 100 Days“ mit Indie-Künstlern wie Bonnie ‚Prince‘ Billie, How To Dress Well, Toro Y Moi, The Range, The Mountain Goats, Jim James, Jens Lekman, Cherry Glazerr, Mitski, Ty Segall oder Waxahatchee. Kurz darauf weitete Eggers sein Projekt auf 1000 Days, 1000 Songs aus. In jeder Woche der Präsidentschaft Donald Trumps wird montags bis freitags im Internet je ein Song der Playlist hinzugefügt. Waren die 2016er Songs mehrheitlich neue Songs, so überwiegen derzeit ältere Stücke, gesungen von Mavis Staples, Crosby, Stills & Nash oder Pete Seeger.

Die Countryszene hält die Füße still
Interessant ist, dass der Protest gegen Trump die Popwelt fast gänzlich erfasst. Codes, Inhalte, Selbstverständnis, Rollen- und Geschlechterdefinitionen der modernen Popmusik und Trumps überkommene Vorstellungen von Gesellschaft, Frauen, Rassen, Religionen oder Homosexualität stehen sich völlig konträr gegenüber. Da war es zwangsläufig, dass Trump für Inauguration nur zwei bekannte Countrysänger für sich gewinnen konnte. Und tatsächlich halten sich die Countrymusiker im Gegensatz zu ihren Pop-, Rock- und Folkkollegen politisch bedeckt. Zwar sind Toby Keith und Lee Greenwood als offizieller und lautstarke Trump-Unterstützer allein auf weiter Flur. Aber im Gegensatz zu Oscar- und Grammy-Verleihungen fiel bei der Preisverleihung der Academy of Country Music dieser Tage kein einziger politischer Satz. Man hält dicht, auch wenn bei einigen Countrymusikern sicher Trump nicht so hoch im Kurs ist. Aber an fürchtet die negativen Sanktionen von Publikum und Musikbusiness. Die Dixie Chicks äußerten sich kritisch über George W. Bush und wurden fortan von den konservativen Radiosendern nicht mehr gespielt. Die Folge: Karriereknick. Ebenso wie bei Chely Wrigt als sie sich als lesbisch outete. Ihre Plattenverkäufe halbierten sich. Und die Wogen der rassistischen Entrüstung gingen hoch, als Beyoncè zusammen mit den Dixie Chicks bei den Country Music Awards im letzten Herbst auftrat.

Americana-Musikerinnen engagieren sich gegen den Trumpismus
Wichtig ist, dass der Protestsong im 21. Jahrhundert in den verschiedensten musikalischen Gewändern daherkommt. Und er ist oftmals weiblich. Und bunt. Denn Trumps Agenda gegen die Rechte von Homosexuellen, und gegen Latinos und Schwarze und seine Frauenfeindlichkeit fordern diese Gruppen natürlich besonders heraus. So waren bislang die beiden stärksten und engagiertesten politischen Alben in diesem Jahr von einer lesbischen Latina und der Tochter eines weißen Mannes und einer schwarzen Frau. Und beide aus dem Americana-Genre. Dem Genre, wie ich schon vor einigen Jahren schrieb, „das wie kein anderes die Wurzeln, die Träume, und den Zusammenhalt der amerikanischen Gesellschaft beschwört“. Alynda Lee Segarra, Sängerin mit puerto-ricanischen Wurzeln und Kopf des Projekts „Hurray For The Riff Raff“ singt gegen die Diskriminierung von Latinos und Homosexuellen sowie gegen die Gentrifizierung. Und Rhiannon Giddens, ein „Southern Girl“, singt auf „Freedom Highway“ die Songs der Bürgerrechtsbewegung und beschwört in ihren Statements zum Album die Einheit Amerikas und ihrer bunten Bevölkerung gegen alle Spaltungsversuche des Trumpismus. Nun hat „Father John Misty“ mit „Pure Comedy“ ein explizit politisches Album herausgebracht, dass über die Kritik an Trump hinaus eine umfassende Gesellschaftskritik zum Inhalt hat und auch Altmeister John Mellencamp, der ebenfalls Erfahrung damit hat, wegen eines Anti-Bush-Songs vom Radio boykottiert zu werden, greift auf seinem demnächst erscheinenden Album „Sad Clowns & Hillbillies“ politische Themen auf. Sein Song „Easy Target“ prangert die rassistische Gewalt gegen Schwarze an.

Und Bob Dylan?
Politisch engagierte Songs – der Terminus gefällt mir besser als „Protestsong“ – erleben in den Zeiten von Trump einen neuen Aufschwung. Und was macht der, der gerade mal zwei Jahre Protestsänger war, und dennoch dieses Etikett auch nach 50 Jahren Karriere und vielfältigen Reisen in die unterschiedlichsten musikalischen Genres nicht los wird? Nun, Bob Dylan schreibt schon seit Jahren keine engagierten dezidiert politischen Lieder mehr. Davon hat er ja ohnehin eine ganze Menge hinterlassen. Warum sich also wiederholen? Sie haben eine universelle Gültigkeit und bis vor wenigen Jahren auch ihren festen Platz im Konzertprogramm gehabt. Songs aus der jüngeren Vergangenheit wie „Workingman’s Blues #2“ oder „Heartland“ zeugen zudem davon, dass der Alte schon immer noch einen scharfen Blick auf die gesellschaftliche Ungleichheit hat. Im Moment allerdings singt er melancholische Popsongs aus den 1930er und 1940er Jahren. Also aus den New Deal-Zeiten, als Amerika im Kampf gegen Armut und Arbeitslosigkeit geeint war und die Linke einen bis dato nie wieder erreichten kulturellen und politischen Einfluss hatte. Dies und eine abgeklärte gospel-soulige Version von „Blowin In The Wind“ sind aber auch ein Statement.

Warum ich mich weiter mit „Americana“ beschäftigen werde – jetzt erst recht!

12. November 2016

Der Wadsc01558hlsieg Trumps hat mich geschockt. Ich hatte gehofft, dass man mit einem blauen Auge und dem kleineren Übel davon kommen werde. Damit die Rechtssicherheit, die Gewaltenteilung, der Schutz von Minderheitenrechten und die Versammlungsfreiheit erhalten bleibt, damit ein in zentralen Bereichen auch gegen eine Präsidentin Clinton auftretendes amerikanisches demokratisches linkes Projekt unter Bernie Sanders überhaupt die Möglichkeit hat, sich zu formieren. Das wissen wir nun so nicht. Die USA sind in Aufruhr und Trump gibt ambivalente Zeichen. Aber wenn man sich die Männer und Frauen ansieht mit denen er sich umgibt, dann darf man sich keine allzu großen Illusionen machen. Amerika hat seinen Erdogan, seinen Putin gefunden. Dort kann man sehen wie mit einer kritischen Öffentlichkeit und oppositionellen Kräften umgegangen wird.

Es wird aber Trump nicht so einfach gelingen, sein Volk zu domestizieren, wie das dem neuen Sultan und dem neuen Zaren gelungen ist. Trump hat bei den Wahlen keine Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten. Er hat stattdessen die Mehrheit der Wahlmänner- und Frauen bekommen. Die Opposition ist in der Mehrheit. Aber ist sie auch strategisch in der Lage, geeint zu sein? Und zieht sie aus diesem Desaster auch die richtigen Schlüsse? Schließlich ist das ja das Ergebnis von 35 Jahren Neoliberaler Herrschaft, der sich ja auch die Demokraten seit Bill Clinton ergeben haben, indem sie die soziale Frage, die Verteilungsgerechtigkeit und die Besitzverhältnisse in keinster Weise mehr als zentrale Fragestellungen verfolgten. Ziehen sie also die richtigen Schlüsse? All das wissen wir im Moment nicht.

Was einem aber hilft, ist das Wissen, dass Amerika ja schon immer nicht nur das Land von Konzernen, Football, Hamburger und Coca-Cola war und ein Projekt des Konsums war, sondern dass es schon immer starke progressive Bewegungen hatte. Die alte linke Arbeiterbewegung, die zu den Zeiten des Roosevelt’schen New Deal einen vorher wie nachher nie dagewesenen gesellschaftlich-kulturellen Einfluss hatte, die Bürgerrechtsbewegung, die kritische Jugendbewegung und die Anti-Vietnam-Bewegung der 1960er, die LGBT-Bewegung und die ökologischen und konsumkritischen Grassroots-Bewegungen.

Diese alte und die neue Linke, „das andere Amerika“, hat einen kulturellen Überbau geschaffen, der auch über den Atlantik geschwappt hat und uns alle heute noch beeinflusst. Von der Musik der Klassiker wie Woody Guthrie, Pete Seeger, Joan Baez und Bob Dylan über Patti Smith und Bruce Springsteen bis hin zu Tom Morello, Ani di Franco, Rhiannon Giddens oder „Hurray For The Riff Raff“. Oder die Literatur von Ginsberg, Steinbeck und Kerouac, oder die Filme von Robert Redford und den Coen-Brüdern und die Dokumentationen von Michael Moore. Das ist mein Amerika. Das ist mein „Americana“. Und dabei bleibe ich.

Dieses Amerika kämpft derzeit und ist noch nicht untergegangen. So wie wir jetzt verstärkt gegen die Le Pens, Petrys und Wilders‘ kämpfen müssen. Und so wie ich politisch kämpfen werde, so werde ich mich auch weiterhin voller Enthusiasmus mit der Kultur des „anderen Amerika“ weiter beschäftigen. Jetzt erst Recht!

Woody Guthrie: Old Man Trump

4. August 2016

woody-guthrieAusgerechnet der Heilsbringer der weißen amerikanischen Arbeiterklasse – der „Klasse an sich“, nicht der „Klasse für sich“, hier unterscheidet Marx sehr fein – ist einer, der seinen Reichtum geerbt hat. Donald Trump: Nichts geleistet, nichts geschafft, nur geerbt, spekuliert, gekauft, verkauft und immer mal wieder was gewonnen. Und das meist auf dem Rücken von Arbeitern. Und da ist Donald ganz sein Vater. Der hatte mit Hilfe öffentlicher Gelder Mietshäuser gebaut, in denen er keine Schwarzen wohnen ließ.

Woody Guthrie bemerkte dies zu spät und wohnte eine Zeit lang in einem der Häuser Trumps. Und hat darum einen Song voller Wut über den rassistischen „Old Man Trump“ geschrieben. Ryan Harvey, Tom Morello und Ani DiFranco haben Woodys Text kongenial vertont. Anhören, teilen und teilen und teilen. Denn eines muss uns klar sein. Ein Präsident Donald Trump wird alles daran setzen, ein Herrscher zu werden, dem Demokratie, Gewaltenteilung, Rechtssicherheit und Gerechtigkeit genauso wenig bedeuten wie Erdogan, Orban, LePen und den Leuten von der AFD. Daher gilt es, Trump zu verhindern. Und das geht nur, indem Hillary Clinton Präsidentin wird. Alleine, um die Möglichkeit zu erhalten, die Gesellschaft wieder fortschrittlicher und gerechter zu machen. Unter einem Absolutisten Trump wird es diese Möglichkeit kaum geben. Denn der wird gnadenlos regieren. Also Schluss mit der Angewohnheit der europäischen Linken, Trump als Witzfigur zu sehen. Sein Vater war schon keine.

Haus aus Erde

14. März 2014

Guthrie-Haus-aus-Erde-orgBei einer Recherche zu Bob Dylans Rolling Thunder Review entdeckten der Schauspieler Johnny Depp und der Historiker Douglas Brinkley Hinweise zu Woody Guthries Roman „Haus aus Erde“. Sie machten sich auf die Suche und wurden im Nachlass des Regisseurs Irving Lerner fündig. Eine Sensation! Woody Guthrie, amerikanischer Hobo, Poet  und Sozialist – Ikone des anderen Amerika – hatte nicht nur tausende Songs hinterlassen, sondern auch dieses Stück Literatur.

Und was für eines. Eigentlich passiert nicht viel in diesem Buch. Ein Paar – Tike und Ella May – lebt mehr schlecht als Recht auf gepachtetem Land in einer Holzhütte, die der Bank gehört. Doch bei allen Widrigkeiten des Wetters und den brutalen ökonomischen Fesseln des Großgrundbesitzers, verlieren sie nie ihre Träume, ihren Humor, ihre große Kameradschaft sowie ihren Kampfes- und Überlebenswillen.

Es ist ein ungemein sinnliches Buch, das der große Folksänger Woody Guthrie da geschrieben hat. Er beschreibt die Unbill der Natur so plastisch, dass man den Wind und den Sand auf seiner Haut spürt, die Gerüche in all ihren Ausformungen in der Nase hat, und einem die Weite des Landes wie auch die Enge der Hütte geistig wie körperlich erfasst.  Bedeutende so noch nicht da gewesene Literatur schafft Woody, indem er mit diesen Mitteln und einer geradezu expressionistischen Sprache einen Liebes- und Zeugungsakt über 30 Seiten (!) erzählt.

Die Schwangerschaft von Ella May, die Freude auf ein Kind, das wahrscheinlich in Armut aufwächst, und die Pläne und Träume von Tike, der eine Lehmhütte als zentrale Verbesserung und Emanzipation von Armut, Wetterwidrigkeiten und ökonomischer Unterdrückung ansieht, sowie dessen sexuell aufgeladenen Wortgefechte mit der Hebamme Blanche, bilden die weitere Entwicklung der Geschichte, ehe schließlich das Kind kommt und mit seinen Eltern in eine ungewisse Zukunft blickt.

Woody hat ein kleines, großes Buch geschrieben. Er hat dem klassenkämpferischen Pathos widerstanden und eine realistische Geschichte aus dem nördlichen Texas der 30er Jahre erzählt, als Sandstürme und Armut, die Menschen beschwerten. John Steinbeck hat vor diesem Hintergrund sein „Früchte des Zorns“ geschrieben. Doch im Gegensatz zu Steinbecks Romanpersonal bleiben Woodys Leute hier, gehen nicht nach Kalifornien ins gelobte Land.

Woody hat den Roman erst 1947 vollendet. Doch er wurde weder verlegt, noch wie Woody es sich vorgestellt hatte, von Lerner verfilmt. Es mögen der Erfolg Steinbecks, die politische Situation im kalten Krieg und die explizit dargestellte Sexualität sein, die die Gründe waren, dass dieses Werk der Vergessenheit anheim gefallen ist.

Dieses Buch komplettiert das Bild des amerikanischen Volkssängers und Volksschriftstellers Woody Guthrie. Und wie Depp und Brinkley in ihrem Vorwort richtig schreiben, ist das zwar ein amerikanischer Roman, aber die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mechanismen, die zu Armut, Hunger und Obdachlosigkeit führen, sind auch fast siebzig Jahre später weltweit die Gleichen.

Woody war, so bringt es auch dieses Buch zum Ausdruck, ein Linker, der nicht nur in Diskussionszirkeln überzeugen konnte, sondern wusste, wie die Menschen denken und sprechen, ganz nah bei ihnen war. Jemand wie Woody könnten wir heute so gut gebrauchen.

„Haus aus Erde“ ist auf deutsch im Eichborn-Verlag erschienen.

DeinLandMeinLand

23. März 2013

Thomas2012Ich freue mich bekannt geben zu können, bei einer spannenden Veranstaltung am 16. April zu lesen.

„DeinLandMeinLand“ ist, so Organisator Martin Wimmer, „ein interdisziplinärer Abend für alle, die sich für Deutschland, Amerika, Schweden, Texas, Kalifornien, Hessen, Bayern, München, Frankfurt, Austin, Typographie, Approbiation, Zitate, die Situationistische Internationale, eine Solidarische Moderne, Gewerkschaften, Woody Guthrie, Bob Dylan, Steve Earle und Townes Van Zandt interessieren“. Mit dabei sind der Künstler Andreas Gärtner, der Musiker Markus Rill, Martin Wimmer, die Singer-Songwriterin Eva Hillered und ich.

Das Ganze steigt am Dienstag, 16. April, um 19.30 Uhr in der Ausstellungshalle in Frankfurt-Sachsenhausen, Schulstraße 1A. Mein Thema wird natürlich DYLANGUHTRIECASHWILLIAMS sein.

Wer mehr über die Mitwirkenden wissen will:

http://www.andreasgaertner.de

http://www.markusrill.net

http://www.deinlandmeinland.com

http://www.evahillered.se

http://www.bobby1963.wordpress.com

http://www.ausstellungshalle.info

Woody & Marty

15. Juli 2012

Eine kleine Notiz zu Woody Guthries 100.Geburtstag

Zum 100. Geburtstag des großen Folkhelden Woody Guthrie  – an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch, Woody! – wird in diesen Tagen immer wieder dessen Einfluss auf die Folkszene, auf Dylan, Baez oder Bragg genannt. Doch Guthrie wird auch breiter in der Musikszene anerkannt. Marty Stuart, Spiritus Rector der Country-Szene und zugleich ein großer Kritiker des heutigen Nashville-Business hat vor einigen Jahren mal versucht, die Leute in Nashville dazu zu bewegen, Woody in die Country Music Hall Of Fame aufzunehmen. Erfolglos.

Marty hat nämlich registriert dass Woody auch Vorlagen zu Country Songs wie „Oklahoma Hills“ und „Philadelphia Lawyer“ geschaffen hat. Und ist „This Land Is Your Land“ nicht der größte „Countrysong“ überhaupt? Auf sein neuestes Album hat Marty übrigens – eine versteckte Würdigung zu Woodys hundertstem Geburtstag? – den Song „A Picture Of Life’s Other Side“ genommen. Geschrieben hat ihn Woody, gesungen aber auch Hank Williams. Auf letzteren bezieht sich Marty auf seinem neuen Album „Tear The Woodpile Down“, aber wie oben erwähnt: Marty weiß um die Bedeutung Woodys für die amerikanische Populärmusik.   

Übrigens gibt es auch eine Verbindung zwischen Marty Stuart und Bob Dylan. Doch dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Unten gelangen wir über den ersten Link zu meiner Woody-Geburtstagsstory auf country.de, mit dem zweiten Link zu Marty und Hank III mit ihrer Version von „A Picture Of Life’s Other Side“, und darunter hören wir direkt Woodys Originalversion.

http://www.country.de/2012/05/14/zum-100-geburtstag-von-woody-guthrie/

http://www.youtube.com/watch?v=SWtEyLbZcSg

Tom Morello

24. April 2012

Er ist eine Art Woody Guthrie unserer Tage. Auf dessen Gitare stand ja bekanntermaßen „This Machine kills fascists“. Tom hat als „Nightwatchman“ seine Gitarre wie ein Gewehr geschultert. Mit klarer Symbolik inszeniert er sich als musikalischer Kämpfer für die Entrechteten weltweit. Wer jedoch denkt, das Zuhören bei Toms Musik könnte eine ziemlich anstrengende Angelegenheit sein, der irrt. Denn während so manche Neo-Folk-Gruppe vor lauter ichbezogener Melancholie in Molltönen kaum noch hörbar ist, kommen des Neo-Protestsängers „World Wide Rebel Songs“ unverkrampft rockig, launig, spielerisch und selbstironisch daher. Eine alte Weisheit: Den Mächtigen kann man nur mit Humor beikommen.

Mit „Black Spartacus Heart Attack Machine“ geht das Album dann auch gleich mit bizarrem Humor los. Dann wechseln langsamere Stücke und schnelle sich wohltuend ab. Wobei der Ex-„Audioslave“ und „Rage Against The Machine“-Musiker kein Indie und Punk macht, sondern sich vorwiegend im Folk-Rock mit etwas Gospel austobt. Und selten den Blues hat. Anspieltipps: „Speak And Make Lightning“, ein flotter Gospel-Rock sowie der Titelsong „World Wide Rebel Songs“. Ein Losgeh-Mitsing-Kracher mit, ja doch, ein bisschen Spaß-Punk-Attitude.

Morello macht einfach Laune. Er schreibt den Soundtrack zu Occupy und stellt musikalisch eine Verknüpfung von alten und neuen Protestbewegungen her. Hörenswert ist in diesem Zusammenhang seine EP „Union Town“ mit Klassikern wie Woody Guthries „This Land Is Your Land“ oder dem Gewerkschaftslied „Which Side are you on?“. Fazit: Selten konnte man zu Protest so gut rocken und tanzen.

„Do re mi“ oder: Ein Jahresrückblick

21. Dezember 2009

 Zu guter Letzt, nachdem alle relevanten Kritiken – ob positiv oder negativ – zum umstrittenen „Christmas in the heart“ erschienen sind und das Werk mittlerweile zur Bescherung in vielen Familien von Dylanfans weltweit bereit liegen dürfte, legt Dylan im Dezember noch mal nach. Der Film „People speaks“, eine Art amerikanischer Geschichtsschreibung von unten, und der dazugehörige Soundtrack erscheinen. Dylan ist dabei mit einer im Oktober live mit Ry Cooder und Van Dyke Parks eingespielten Version von Woody Guthries „Do re mi“ vertreten.

Für einige ein versöhnlicher Abschluss:  Dylan spielt wieder Woody, klasse! Es zeigt wieder einmal: Dylan ist der lebendige Schmelztiegel der amerikanischen Populärmusik, ohne dabei beliebig zu sein. Seine Version des „Dust-Bowl-Songs-Klassikers ist langsam und getragen. Der zornig-fatalistisch-spöttische Impuls des Originals ist nur als Nachhall vernehmbar. Das Lied ist Geschichte, weiß Dylan, und so liegt auch ein großes Stück Wehmut in seiner Interpretation. Wehmut auch darüber, dass die Verhältnisse immer wieder zu den Verwerfungen führen können, wie sie dem Song als Thema dienen. Damals waren es Wirtschaftskrise und Naturkatastrophen wie die großen Sandstürme, die das Leben von Millionen Menschen negativ beeinflusste. Bankenkrise, das Sterben der Autokonzerne, die Klimakatastrophe, Hungersnöte, weltweite Kriege sind es heute. Dass Dylan einem Projekt wie „People speaks“ mitwirkt – ebenso übrigens wie beim Wasserprojekt zur Weltausstellung 2008 oder bei der Hungerhilfe in diesem Jahr – zeigt, dass der alte Bob durchaus noch sensible Antennen für die Widersprüche der Zeit besitzt. Er will halt nur – und das ist eins der Themen seines Lebens – nicht als Politkünstler oder gutes Gewissen der Welt – wie Bono oder Bob Geldof – wahrgenommen werden. Und nimmt man die widersprüchlichen Signale auf, die im Moment von Barack Obama ausgehen, ist Dylans Zurückhaltung zu diesem Thema mittlerweile einleuchtend.

Mit der vorzüglichen Interpretation von „Do re mi“ schließt ein in jederlei Hinsicht spannendes und produktives Dylan-Jahr. Im Frühjahr die Kunde, Dylan hat Filmmusik für „My own love song“ mit René Zellweeger eingespielt, dann die Nachricht, es ist soviel dabei entstanden, dass es für ein ganzes eigenes neues Album reicht. „Together through life“ – im Gegensatz zu den in sich geschlossenen und perfekt ausgeklügelten „Love and Theft“ und „Modern Times“ – eher eine Skizze, der noch die qualitätssteigernden Konturen und Scharfzeichnungen fehlen – bricht wieder Chart-Rekorde. Unser Lieblingssong heißt „I feel a change is comin’ on“, weil er auf einer fast belustigt stoischen Art und Weise und mit einer leichtfüßig hüpfenden Melodie ziemlich unverblümt vom Älterwerden und der Sterblichkeit handelt. Im Frühjahr wieder eine Europatournee mit mehreren Stationen in Deutschland. Das Saarbrücker Konzert deutlich besser als Alicante 2008 und fast so gut wie Frankfurt und Mannheim 2007. Allein wie er „Blowin’ in the Wind“ neu arrangiert ist grandios.

Und wer im Musikbusiness – und nicht nur in der kulturellen Rezeption – wieder eine große Nummer ist, der findet den Weg zurück in die Klatschspalten. Und Bobby gab doch einige Steilvorlagen. Schaute sich inkognito die Elternhäuser von Neil Young (allein) und John Lennon (inmitten einer Touristengruppe!) an, wurde von der Polizei wegen verdächtigem Verhalten in einem Wohngebiet aufgegriffen, meldete sich mit Bedauern über die Art und Weise der Trennung von Joan Baez vor fast 35 (!) Jahren zu Wort und machte auch entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten seine karitative Ader öffentlich: Seine Einnahmen des Weihnachtsalbums gehen direkt 1:1 an die Hungerhilfe.

Uff, der Alte schlägt wieder Haken wie ein Junger. Und das ist die eigentlich gute Nachricht dieses Jahres: Dylan verzückt, Dylan belustigt und Dylan verstört mal wieder kräftig. Die qecksilbrige Unruhe scheint wieder zurück. Freuen wir uns auf ein neues Bob-Jahr 2010!